Opfer auch von Begleitung im Stich gelassen

Er wollte schlichten und bekam selbst Schläge ab: Lohfeldener sucht die Täter

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Auch seine Brille ging zu Bruch: Anton Wodarz wollte einen Streit zwischen Jugendlichen schlichten und wurde dann selbst angegriffen.

Kassel. Anton Wodarz wollte streitende Jugendliche trennen und wurde selbst zum Opfer. Sein Bekannter kam ihm nicht zur Hilfe.

Eigentlich wollte der 31-jährige Anton Wodarz aus Lohfelden in der Nacht zu vergangener Woche Donnerstag nur einen Streit zwischen zwei Jugendlichen in der Nordstadt schlichten. Doch die Bemühungen des Mannes, der als Krankenpfleger auf einer Intensivstation des Roten-Kreuz-Krankenhauses arbeitet, scheiterten.

Er wurde nicht nur von den Streithähnen attackiert und dabei verletzt, sondern auch noch von einem Bekannten, mit dem in der Nacht unterwegs gewesen war, im Stich gelassen, wie er gegenüber der HNA berichtet. Deshalb hat Anton Wodarz nicht nur Anzeige gegen die Jugendlichen wegen Körperverletzung erstattet, sondern auch gegen seinen Bekannten wegen unterlassener Hilfeleistung. Das bestätigt Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage. Der 32-jährige Mann aus Kassel werde deshalb vorgeladen.

Am vergangenen Donnerstag waren Anton Wodarz und sein Bekannter zusammen in der Kneipe „Mutter“ an der Henkelstraße gewesen. Zwischen 2.30 und 3 Uhr hätten sie den Laden verlassen, seien auf die Holländische Straße und dann Richtung Mombachstraße gegangen, berichtet Wodarz. An der Straßenecke Mombachstraße/Holländische Straße habe er dann zwei Jugendliche gesehen, die sich gestritten haben. „Der eine ist dem anderen an die Gurgel gegangen“, sagt Wodarz.

Er habe die Erfahrung gemacht, dass man solche Situationen auflösen könne, indem man laut fragt, was los ist. Das habe er gemacht. Daraufhin hätten ihn die beiden Kontrahenten beschimpft, er solle weggehen. Einer von den beiden sei dann auf ihn losgerannt, sagt Wodarz.

Daraufhin sei er weggerannt, der Jugendliche hinter ihm her. Nach 100 Meter sei er von dem Jugendlichen eingeholt und angegriffen worden. Da er Selbstverteidigung trainiere, habe er es aber geschafft den Angreifer auf den Boden zu bringen, sagt Wodarz. Dann sei der zweite Jugendliche dem anderen zur Hilfe gekommen.

Getreten und geschlagen

Daraufhin hätten ihn beide angegriffen, sagt der Krankenpfleger. Sie hätten ihn auf den Kopf geschlagen und getreten. „Gefühlt hat das zwei bis drei Minuten gedauert.“ Nachdem sie von ihm abgelassen haben, sei noch ein dritter Jugendlicher hinzugekommen. Die drei hätten zu ihm gesagt, er solle verschwinden oder sie würden ihn töten.

In zehn Meter Entfernung habe sein Bekannter auf dem Bürgersteig gewartet, sagt Wodarz. Er habe eigentlich damit gerechnet, dass dieser die Polizei verständigt hätte. Das habe er nicht getan. Er wollte sich dann das Handy von seinem Kumpel leihen, um selbst die Polizei zu rufen. Das habe dieser verweigert. Mit der Begründung, er sei doch selbst Schuld. Schließlich habe er die streitenden Jugendlichen angesprochen und damit provoziert. Sein Bekannter habe sich auch geweigert, ihn zur Polizei zu begleiten, um dort eine Aussage zu machen.

Mit Zivilcourage hätten die wenigsten etwas am Hut, sagt Anton Wodarz. Er fühle sich nach dem Angriff ziemlich allein gelassen, was nicht nur an seinem Bekannten liege. „Alle zeigen sich zwar betroffen, aber man bekommt keine richtige Unterstützung.“ Er habe zum Beispiel die Polizeimeldung bei Facebook gepostet, aber niemand habe sie geteilt.

Er habe zudem in den vergangenen Tagen in der Nordstadt rund um den Tatort nach Zeugen gesucht. Er gehe mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, um aufzuzeigen, dass solche Sachen auch tödlich ausgehen können, sagt der Krankenpfleger.

Beschreibung: Die Täter sind etwa 16 bis 20 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß und haben ein südländisches Aussehen. Hinweise an die Polizei unter Tel. 05 61/9100.

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