Bewährungsstrafe für Mittäter

16-Jährige in Kassel zur Prostitution gezwungen

Kassel. Im großen, miesen Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung war der junge Mann auf der Anklagebank eine Nebenfigur. Darüber waren sich Staatsanwalt, Verteidiger und die 3. Strafkammer des Kasseler Landgerichts am Donnerstag einig.

Im Sommer 2008, das hat der 28-Jährige zugegeben, hatte er eine 16-Jährige aus Tschechien nach Kassel geholt und zur Prostitution gebracht. Einmal gab er der Minderjährigen die Droge „Crystal“.

Das brachte ihm nun eine Verurteilung wegen Menschenhandels zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung sowie wegen Abgabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige ein. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und setzte diese zur Bewährung aus.

Dieses Strafmaß war zuvor im Rahmen einer Verständigung als Obergrenze festgelegt worden – im Gegenzug für ein Geständnis. Das Gericht machte dem 28-Jährigen, der mittlerweile in Sachsen lebt, zudem zur Auflage, 200 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Mit einem schlichten „ja“ hatte er alles bestätigt, was ihm die Anklage vorwarf: Dass er die 16-Jährige gemeinsam mit einem inzwischen in Tschechien verurteilten Mann nach Kassel holte. Dass er ihr die durchschnittlich 300 Euro, die sie mit der Prostitution verdiente, abnahm. Dass er das Mädchen schlug, um es gefügig zu machen.

Entscheidendes Geständnis

All das wäre jetzt, vier Jahre später, offenbar ohne sein Geständnis nur sehr schwer oder gar nicht nachzuweisen gewesen. Selbst der genaue Aufenthalt der geschädigten jungen Frau in Tschechien sei nicht bekannt, erklärte der Vorsitzende Richter Wolf Winter in der Urteilsbegründung.

Das Gericht wertete die Tat als „Ausreißer“. Zwar sei der 28-Jährige in Tschechien vorbestraft – aber nicht einschlägig. Weder vor noch nach der Tat habe er eine vergleichbare Gesinnung an den Tag gelegt. Vielmehr habe er weiter in Deutschland gelebt, sei aber überhaupt nicht mehr strafrechtlich in Erscheinung getreten.

Es gibt Angeklagte, die wirken im Verhandlungssaal zerknirscht, auf dem Flur aber weit munterer. Der 28-Jährige sah da wie dort bedrückt aus: „Ich möchte sagen, dass alles, was geschehen ist, mir leid tut“, übersetzte die Dolmetscherin sein letztes Wort. Er bemühe sich seitdem, „ordentlich zu leben“. Weder mit „diesen Menschen“ noch mit Drogen habe er noch zu tun.

Die Ermittlungen, die zur Anklage des 28-Jährigen führten, hatten die Polizei offenbar auch auf die Spur von Leuten gebracht, die in großem Stile Frauen ausbeuteten. Die „Haupttäter“ seien inzwischen ausgeliefert und zu Haftstrafen von bis zu achteinhalb Jahren verurteilt worden, hieß es in der Verhandlung.

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © dpa

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