Amtsgericht verhängte Bewährungsstrafe für 39-Jährigen wegen Körperverletzung

Schläge nach zu viel Alkohol

Kassel. Sie sei eben „zur falschen Zeit am falschen Ort“ gewesen, sagte die 38-jährige Zeugin am Donnerstag vor dem Amtsgericht. Das traf nicht nur für den Tag zu, an dem sie in eine Auseinandersetzung in der Gaststätte „Stadt Stockholm“ verwickelt war.

Nach einer durchzechten Nacht im Januar 2012 war sie mit ihrem Lebensgefährten, dem 39-jährigen Angeklagten, in Streit geraten. Dabei hatte er sie – wie er in der Verhandlung auch gestand – ins Gesicht geschlagen. Am Tag darauf erlitt die 38-Jährige einen epileptischen Anfall, in der Klinik wurde eine Blutung im Kopf festgestellt, sie landete auf der Intensivstation.

Gleichwohl nahm sie den Schläger vor Gericht in Schutz: „Er ist kein gewalttätiger Mensch.“ Er habe sie „nicht absichtlich geschlagen“, der Alkohol sei Schuld gewesen. Sie hat inzwischen ein Kind mit ihm, die beiden leben zwar nicht zusammen, sind aber befreundet.

Ihre bereits 23 Jahre alte Tochter saß ebenfalls auf der Anklagebank. Sie war mit ihrer Mutter im Februar 2012 in das „Stocki“ gegangen, um etwas zu trinken, später kam auch der 39-jährige Angeklagte hinzu. Im Laufe des Abends muss es zu einem Streit zwischen der 38-jährigen Zeugin und der Kneipenbedienung gekommen sein, in den sich die beiden Angeklagten einmischten, so steht es in der Anklage.

Als der Inhaber der Kneipe auftauchte, geriet die 23-Jährige mit ihm aneinander, der Kneipier soll sie geschlagen haben, worauf sie ihm einen Hieb mit einer Hundeleine verpasste. In diesem Gewusel biss ihr Hund den Wirt ins Bein. So viel stand vor Gericht nach der Vernehmung mehrerer Zeugen fest.

Inwieweit der 39-jährige Angeklagte in die Keilerei verwickelt war, blieb freilich im Dunkeln. Das Gericht stellte deshalb diesen Anklagepunkt mit Blick auf die übrigen Vorwürfe gegen ihn ein.

Auch die diesbezügliche Anklage gegen die 23-Jährige wurde eingestellt, jedoch mit der Auflage, dass sie 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leistet.

Der 39-Jährige wurde am Ende zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Er hatte auch gestanden, dass er im März 2012 einen damals 68 Jahre alten Mann ins Gesicht geschlagen hat, angeblich, weil der ihm Geld schuldete. Viel schwerer wog aus der Sicht des Gerichts allerdings der Schlag gegen den Kopf der 38-Jährigen, das sei „mehr als ein gebrochenes Nasenbein gewesen“.

Als Auflage für die dreijährige Bewährungszeit ordnete das Gericht eine stationäre Alkoholtherapie an. Denn im Vorstrafenregister des Angeklagten stehen diverse Taten, die er mit Alkohol im Blut begangen hat. Und schließlich waren beide Körperverletzungsdelikte, um die es jetzt vor Gericht ging, im Suff passiert. (pas)

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