Im Prozess gegen 26-Jährigen ringt das Amtsgericht mit Lügen und Pampigkeit

Schläge, Streit und Messerstiche

Kassel. „Na, das“, stoßseufzte Richter Kleinherne, „war ja mal ein kleiner Lichtblick.“ Der Mann, den er gerade als Zeugen vernommen hatte, hatte zwar nicht allzu viel zur Aufklärung beitragen können. Aber immerhin hatte er nicht gelogen. Oder war pampig geworden. Und das war am Dienstag im Kasseler Amtsgericht schon etwas Besonderes.

Gleich fünf Anklagen hat der 26-Jährige angesammelt: Juristisch geht es um Körperverletzung, Einbruchsdiebstahl, Bedrohung, Beleidigung und Fahren ohne Führerschein. Soziologisch geht es um Bettenhausen. Der Angeklagte, sein Opfer, die Zeugen: In dem verhandelten Fall kennt jeder jeden.

Nur wenige Meter wohnen sie voneinander entfernt, hängen zusammen ab und sind fast alle, wie sie sagen, „zurzeit arbeitslos“. In einer Dezembernacht 2012 traf der Angeklagte einen heute 27-Jährigen auf der Straße – und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. „Tut mir leid“, beteuerte der Angeklagte. „Eigentlich sind wir Freunde. Normalerweise.“

Dass er kurz zuvor auch noch mit zwei Kumpels die Wohnungstür des 27-Jährigen eingetreten und ihm eine Playstation geklaut haben soll, bestritt er jedoch. Eine 20-jährige Nachbarin will ihn zwar dabei beobachtet haben, verwickelte sich aber wie schon das mutmaßliche Einbruchsopfer selbst in lauter Widersprüche.

So sehr, dass Richter Kleinherne der Kragen platzte: „Erst lügt er uns die Taschen voll – und jetzt erzählen Sie uns hier auch einen vom Pferd!“

Was der Auslöser für Streit und Schläge war, blieb im Dunkeln. In Bettenhausen, erzählte der als Lichtblick gelobte Zeuge, kursiere aber ein Gerücht: dass der Geprügelte mit der Exfreundin des Angeklagten geschlafen habe.

Was im Licht der weiteren Anklagevorwürfe nicht unplausibel erscheint. Denn die haben fast alle mit dem offenbar schwierigen Verhältnis des 26-Jährigen zu seiner Verflossenen zu tun.

So soll er seinen jüngeren Bruder mehrfach ins Gesicht geschlagen haben, als der eine Auseinandersetzung des Noch-Paars schlichten wollte. Monate nach der Trennung soll er in die Wohnung der damals 22-Jährigen eingedrungen sein und der panisch flüchtenden Frau Beleidigungen nachgerufen haben. Und schließlich soll er einen Mann, den er für den neuen Lebensgefährten seiner Exfreundin hielt, mit einem Messer verletzt haben.

Um diesen schwersten der Vorwürfe ging es beim Verhandlungsauftakt aber noch nicht. Am 21. Februar wird der Prozess fortgesetzt. (jft)

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