Überfall am Warteberg: Zwei Schüler stehen wegen versuchten Totschlags vor Landgericht

Schläger wollten sich abreagieren

KASSEL. Eigentlich sei es ein ganz normales Wochenende gewesen. „Normal“, das heißt für die beiden Kasseler Schüler: Trinken in der Gruppe. An jenem Abend im Mai dieses Jahres traf man sich auf dem Warteberg. Aus nichtigem Anlass kippte dann die Stimmung, die zwei setzten sich vom Rest der Gruppe ab. „Wir hatten ein bisschen Aggression“, erzählte der eine Angeklagte, „weil uns jemand die Wodkaflasche weggenommen hat.“ Da sei das Opfer gerade recht gekommen, zum Abreagieren.

17 und 18 Jahre sind die beiden Schüler alt. Seit gestern stehen sie wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und schweren Raubes vor dem Landgericht Kassel. Mit den Worten „Dem kannst du eine klatschen“ hatte der 17-Jährige nach eigenen Angaben seinen Kumpel ermuntert, den Fremden zu attackieren. Dabei hatte der 21-Jährige ihnen eben noch eine Zigarette spendiert. Anfangs sei es ihnen „nur“ ums Zuschlagen gegangen. Dem jungen Mann auch noch die Geldbörse abzuknöpfen, „das kam uns so in den Kopf geschossen“, meinte der ältere Angeklagte, der als Drohmittel ein Messer gezückt hatte.

Bei Schlägen war es nicht geblieben. Immer wieder hatten die Schüler brutal auf das Opfer eingetreten, gegen den Kopf und nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sogar gezielt ins Gesicht. Als das Opfer sich zu schützen versuchte, sollen sie sogar abwechselnd seine Arme weggezogen haben, damit der jeweils andere besser zutreten konnte. Laut Anklage nahmen sie dabei tödliche Verletzungen oder ein Erblinden des Opfers billigend in Kauf. Sie ließen erst von ihm ab, als andere aus ihrer Gruppe dazukamen. „Meine Freundin war auch dabei. Ich wollte nicht, dass sie sieht, was ich da tue“, erklärte der 17-Jährige.

Opfer sieht Doppelbilder

Die Folgen waren in der Tat heftig. Der 21-Jährige trug unter anderem Prellungen und einen Nasenbeinbruch davon und leidet seither auf einem Auge unter Doppelbildern. Nach dem Überfall musste er psychologisch behandelt werden. Ob auch dies durch die Tat ausgelöst wurde, will das Gericht noch klären. Ein Sachverständiger soll außerdem prüfen, welche Rolle die Alkoholisierung der Angeklagten gespielt hatte.

Fortsetzung heute

Die beiden Schüler waren wenige Tage nach der Tat festgenommen worden. Der Ältere sitzt in Untersuchungshaft, der Jüngere kam nach zwei Monaten auf freien Fuß. Der Prozess wird am heutigen Freitag fortgesetzt. (psü)

Von Gabriele Sümer

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