29-jähriger aus Hessisch Lichtenau war mit Urteil unzufrieden

Prozess um Angriff in Tram: Schläger zieht Berufung zurück

Kassel / Hessisch Lichtenau. Eigentlich war der 29-Jährige aus Hessisch Lichtenau gut bedient: Für Körperverletzung und Beleidigung einer 52-Jährigen in der Straßenbahn von Kassel nach Heli, für eine weitere gefährliche Körperverletzung in Helsa und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz war er vom Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt worden.

Doch der hochgewachsene, rundliche Mann mit der Anmutung eines zu groß geratenen Konfirmanden war mit diesem Urteil nicht zufrieden und legte Berufung vor dem Landgericht Kassel ein. „Mir fehlt die Fantasie, was das Ziel dieser Berufung sein soll. Sie sind doch gut weggekommen“, sagte Richter Liebermann zu dem 29-Jährigen. Als der Richter ihn darüber aufklärte, dass er auf jeden Fall die Kosten für das neue Verfahren tragen müsse, zog er seine Berufung zurück.

Mitte Oktober 2014 hatte ihn das Amtsgericht zu acht Monaten Haft auf Bewährung, 800 Euro Geldstrafe und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er in der Straßenbahn nahe der Haltestelle Unterneustädter Kirchplatz mit einer 52-jährigen Frau aneinander geraten war.

Die hatte ihn wohl aufgefordert, die Füße vom Sitz zu nehmen, damit sie sich mit ihrerm 14-jährigen Sohn hinsetzen konnte. Daraufhin spuckte der Angeklagte die Frau an und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Zuvor habe die Frau den Mann mit ihrem Handy fotografiert, was ihn stark provoziert habe, erläuterte Pflichtverteidiger Frank Siemon.

Tatsächlich, so der Angeklagte, habe das Amtsgericht seiner Meinung nach nicht ausreichend berücksichtigt, dass er sich in einer Notwehr-Situation befunden haben. Die Frau habe ihn beschimpft und alles möglich angedroht. Seine Reaktion sei allerdings „vielleicht etwas hart ausgefallen“, räumte er ein. „Sie haben schon einen Rabatt bei der Strafzumessung bekommen und ein mildes Urteil“, klärte ihn Richter Liebermann auf. Das Amtsgericht habe in seiner ausführlichen Urteilbegründung auf den richtigen Umstand verwiesen, dass es keine Notwehr gewesen sei. Ein Faustschlag ins Gesicht der Frau sei in jedem Fall eine unangemessene Reaktion gewesen, egal wie stark sich der Angeklagte durch die Frau provoziert gefühlt haben mochte.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Göb sah sich mit dem nur wenige Minuten dauernden Verfahren in seiner Bemerkung vor Prozessbeginn bestätigt: „Ich weiß gar nicht, was ich hier eigentlich soll. Als ob die Justiz nichts mehr zu tun hätte“, kommentierte er die überflüssige Berufung.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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