Schlägerei an roter Ampel an der Trompete

Männer sollen einen 30-Jährigen bewusstlos getreten haben - Prozess

Kassel. Weil sie einen Mann an der Trompete bewusstlos getreten haben sollen, müssen sich die zwei Freunde seit Donnerstag vor dem Kasseler Amtsgericht wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Von einem „Gefecht“ spricht der junge Mann. Von einem „Schwinger“, dem er gerade noch zuvorgekommen sei. Von einem „Lucky Punch“, den er gesetzt habe, indem er zwei Männer mit jeweils nur einem Faustschlag niederstreckte. Dennoch beteuert der 24-Jährige: „Ich bin kein Profiboxer oder Kampfsportler.“ Und es ist auch kein sportlicher Wettkampf, von dem er redet. Sondern eine frühmorgendliche Schlägerei an der Trompete (Fünffenster- / Frankfurter Straße) in Kassel, bei der er mit seinem 27 Jahre alten Kumpel gleich drei Männer niedergeschlagen und getreten haben soll.

Bereits anderthalb Jahre liegt zurück, was ihnen vorgeworfen wird. Und nicht nur sie hatten, als sie an jenem Oktobertag 2012 um halb sechs in der Früh von einem Discobesuch kamen, reichlich Alkohol im Blut. Sondern auch ihre Widersacher. Und die meisten anderen Zeugen.

Entsprechend variabel fallen die Schilderungen aus - sofern die Erinnerung nicht ohnehin bis ins Nichts getrübt ist. Der 30-Jährige, den die Angeklagten am übelsten zugerichtet und in die Bewusstlosigkeit getreten haben sollen, etwa weiß fast gar nichts mehr. Vor allem nicht, wie alles angefangen hatte. Dass nämlich er, offenbar sternhagelvoll, mitten auf der Oberen Karlsstraße gestanden hatte, dem Auto, in dem die Angeklagten mit einer Freundin saßen, im Weg. Dass er erst nach mehrfachem Hupen das Feld räumte. Und dass er dann aber dem Wagen bis zur nächsten roten Ampel hinterherrannte und eine Rückleuchte eintrat. Worauf die Männer ausstiegen und ihn, so steht es jedenfalls in der Anklage, verdroschen.

Was die jedoch bestreiten. „Ich habe keinen einzigen Schlag, keinen einzigen Tritt gemacht“, beteuert der ältere Angeklagte. Und der jüngere stellt das Ganze als Notwehr dar: Zuerst sei sein Kumpel von dem 30-Jährigen geschlagen worden, darauf habe auch er sich eingemischt und sich mit dem Angreifer einen „offenen Schlagabtausch“ geliefert. Und ihn schließlich, weil er noch am Boden liegend immer weitergeprügelt habe, auch getreten. Bis sich der Mann nicht mehr gerührt habe. „Ich spiele Fußball“, sagt er, „ich weiß, wie man zutritt.“

Als dann zwei Freunde des 30-Jährigen kamen, habe er auch ihren Angriff abgewehrt. „Ich habe den Schwinger auf mich zukommen sehen, war aber schneller“, sagt der 24-Jährige. „Ich hab Glück gehabt.“ Lucky Punch eben.

Bei der einzigen unabhängigen Augenzeugin will all das freilich gar nicht nach Boxkampf klingen. Beide Angeklagten hätten auf den 30-Jährigen eingetreten, erzählt sie. „Definitiv.“ Ins Gesicht, in den Oberkörper, in den Bauch. „Ich war einfach schockiert - dieses Bild werde ich im Kopf behalten.“

Am 15. April wird der Prozess fortgesetzt.

Von Joachim F. Tornau

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