Im Unternehmenspark werden seltene Oldtimer aus der Partnerstadt Mulhouse gezeigt

Schlafende Schönheiten: Seltene Oldtimer in Kassel zu sehen

Vorbereitungen für die Ausstellung: Heinz W. Jordan (links) und Rainer Giel schieben einen Bugatti-Rennwagen von 1955 in Position. Nur zwei Exemplare wurden jemals gebaut. Im Hintergrund eine Hispano-Suiza-Limousine von 1933. Fotos:  Fischer

Kassel. Manche der 40 Oldtimer glänzen im restaurierten Blechkleid, andere sind seit Kaiser Wilhelms Zeiten nicht mehr angefasst worden: In vielen Farbnuancen schillert Rost, der Kotflügel und Kühlerhauben angeknabbert hat.

Rosshaar quillt aus Polstern, blinde Karbidscheinwerfer blicken aus charaktervollen Autogesichtern. Die Schau „Schlafende Automobilschönheiten“, die ab dem 1. Mai im Unternehmenspark zu sehen ist, offenbart eindrucksvolle Kontraste. Und sie vermittelt ein Gefühl für den Wert der Technikschätze. Für Fahrzeuge im Originalzustand zahlen Liebhaber oft ein Mehrfaches dessen, was für restaurierte Oldtimer geboten wird, sagt Heinz W. Jordan, der die Ausstellung zum Stadtjubiläum mitorganisiert: „Man kann jedes Auto neu aufbauen – aber dann ist seine Geschichte weg.“

Für manches naturbelassene Exemplar in der Halle, auch wenn es nur als technischer Rumpf vorhanden ist, würden Sammler und Automuseen fünf- bis sechsstellige Beträge zahlen – wenn die Autos denn zu verkaufen wären. Doch sie sind nur Leihgaben aus Kassels französischer Partnerstadt Mulhouse, wo sich aus der Oldtimersammlung der Brüder Schlumpf das weltgrößte Automuseum entwickelt hat.

Der Autobauer Mercedes dürfte sich heute Vorwürfe machen, dass er den Schlumpfs 1966 einen seiner Silberpfeil-Rennwagen überlassen hat, mit dem Rennfahrerlegende Rudolf Caracciola in den 1930er-Jahren unter anderem beim Kasseler Bergrennen gestartet ist. Der Wagen gehört zu den wertvollsten Exponaten in der Halle, welche kaum sichtbar, aber sehr umfangreich durch Alarmvorrichtungen und Kameras gesichert ist. Besucher dürfen sich den Stücken ohne Absperrungen nähern.

Die Veteranen mit klangvollen Namen wie Bugatti, Hispano-Suiza, Delahaye, Clemént-Bayard, Minerva, Hurtu und Isotta-Fraschini wurden noch nie öffentlich gezeigt und wandern nach der Schau wieder ins Museumsdepot nach Mulhouse, wo insgesamt 150 unrestaurierte Autoschätze schlummern. Das Ausstellungsprojekt in Kassel ist auf bundesweites Interesse der Fachwelt gestoßen, die die Schau als Rahmen für Kongresse rund um die Autorestaurierung nutzen wird. Zur Eröffnungsfeier für geladene Gäste haben sich laut Heinz Jordan Prominente der Autoindustrie wie VW-Vorstandschef Martin Winterkorn und Audi-Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer angesagt.

Ausstellung: Schlafende Automobilschönheiten

Schlafende Automobilschönheiten, 1. Mai bis 31. Juli, Unternehmenspark Lilienthalstraße (UPK), Tor 1, Halle 19. Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertage 10 bis 19 Uhr. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Von Axel Schwarz

www.schlafende-automobilschoenheiten.de

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