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Schlagabtausch beim Wahlforum: So haben sich die OB-Kandidaten präsentiert

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Trafen im Sitzungssaal des Presse- und Druckzentrums wenige Tage vor der Wahl aufeinander: HNA-Lokalchef Frank Thonicke (links) und HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden (rechts) mit den Kasseler Oberbürgermeister-Kandidaten (von links) Christian Geselle (SPD), Dominique Kalb (CDU), Eva Koch (Grüne), Dr. Bernd Hoppe (Freie Wähler), Murat Cakir (Kasseler Linke) und Matthias Spindler (Die Partei) bei der Gesprächsrunde. (Um alle Personen auf dem Bild zu sehen, bitte in der rechten oberen Ecke das Foto vergrößern.)

Kassel. Zum letzten Schlagabtausch vor der Wahl am kommenden Sonntag kamen die sechs Kasseler Oberbürgermeister-Kandidaten am Mittwochabend beim HNA-Wahlforum zusammen.

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Die Veranstaltung verfolgten mehr als 500 Internet-Nutzer gleichzeitig auf HNA.de. Unter der Moderation von Chefredakteur Horst Seidenfaden und Lokalchef Frank Thonicke hatten die Kandidaten Stellung zu beziehen. Natürlich ging es dabei auch um den heiß diskutierten „Kasseler Bratwurst-Krieg“, aber auch um die Parkgebühren, um die Sicherheit in der Innenstadt und um die Überlegungen für eine neue politische Mehrheit in Kassel.

Was lernen wir aus der Bratwurst-Diskussion zum Tag der Erde? CDU-Kandidat Dominique Kalb zeigte sich erstaunt über die heftigen Reaktionen. Es gebe Themen, die die Gesellschaft spalteten. Die Diskussion sei ausgeufert, habe mit dem ursprünglichen Thema nichts mehr zu tun.

Eva Koch (Grüne) sah das ähnlich, gab aber der CDU eine Mitschuld daran. Bratwurst oder nicht sei Sache des Veranstalters. Die CDU aber sei sich nicht zu schade, jedes Thema in den Wahlkampf zu ziehen. Koch: „Um davon abzulenken. dass man kein eigenes Thema hat.“

„Menschen wollen nicht bevormundet werden“, betonte SPD-Kandidat Christian Geselle. Murat Cakir, Bewerber der Kasseler Linke, kritisierte die Skandalisierung dieses Themas. Den Aufschrei um die Verkehrs-Lollies in den 1990er Jahren hielt Dr. Bernd Hoppe (Freie Wähler) mit dem gegenwärtigen Bratwurst-Streit für nicht vergleichbar. Der Veranstalter habe mit dem Tag der Erde einen Denkanstoß geben wollen. Durch die Lollies hingegen seien Verkehrsteilnehmer damals tatsächlich beeinträchtigt worden. Satire-Kandidat Matthias Spindler (Die Partei) brachte es auf den Punkt: „Symbolisch steht der Bratwurst-Streit dafür, dass jede Stadt das Wahlkampfthema hat, das sie verdient.“

40 Millionen Euro Überschuss hat die Stadt Kassel im vergangenen Jahr erwirtschaftet. Was würden sie als Oberbürgermeister mit einem solchen Batzen Geld machen? Geselle, der als Stadtkämmerer den Haushalt mitverantwortete, verwies auf die verbliebenen 450 Millionen Euro Schulden. Murat Cakir verurteilte die unsägliche Sparpolitik, die nur wenigen Bevölkerungsgruppen nutze. Eva Koch würde in Bildung und gegen Fachkräftemangel investieren. Bernd Hoppe will das Geld für einen kostenfreien ÖPNV, Dominique Kalb für zusätzliche Kindergartenplätze und Matthias Spindler für ein neues Denkmal.

Die Aussagen der Kandidaten im Überblick:

Christian Geselle (SPD), 40 Jahre, Jurist: Die Ampel als ersten Wunsch

Christian Geselle (SPD)

Nach der Wahl will er als neuer Oberbürgermeister für eine politische Mehrheit sorgen. Sein erster Wunsch sei die Ampel, also eine Koalition von SPD, FDP und Grünen, sagte Christian Geselle. „Die große Koalition von SPD und CDU wäre die zweitbeste Lösung.“ Kritik der CDU wies Geselle zurück:„Herr Kalb, reden Sie die Innenstadt nicht schlecht.“ Der OB allein könne die Parkgebühren nicht senken. Zudem sei das Hauptproblem des Innenstadt-Einzelhandels der Internethandel.

Dominique Kalb (CDU), 45 Jahre, Diplomingenieur: Klares Nein zu Tempo 30

Dominique Kalb (CDU)

Eine klare Absage erteilte Dominique Kalb der Einführung von Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen. Denn das würde seiner Ansicht nach nur den Schleichverkehr in Wohngebieten erhöhen. Die Parkgebührenerhöhung bezeichnete er als Fehler. Die Rücknahme sei aber von Rot-Grün abgelehnt worden, was den Einzelhandel zu schaffen mache. Kalb: „Die Senkung der Parkgebühr ist richtig und wichtig.“ Als OB strebe er eine stabile politische Mehrheit unter Beteiligung der CDU an.

Eva Koch (Grüne), 54 Jahre, Bauingenieurin: Offen für die SPD und die Linke

Eva Koch (Grüne).

Für eine politische Mehrheit will Eva Koch als Oberbürgermeisterin offen für die SPD sein und mit der Linken sprechen. Bei der Sozialwohnungsquote habe es bereits Übereinstimmungen gegeben. Hingegen habe die SPD abgelehnt, obwohl sie bei Geselle auf dem Plakat stehe. Das Ziel der Parkgebührenerhöhung sei erreicht worden. Parkhäuser würden stärker genutzt. Die Brötchentaste der CDU lehnt Koch ab. „Die Leute sollen ihre Brötchen gerade nicht mit dem Auto holen.“

Murat Cakir (Kasseler Linke), 56 Jahre, Angestellter: Für eine soziale Mehrheit

Murat Cakir (Kasseler Linke).

Murat Cakir sieht in Kassel das Potenzial für eine soziale politische Mehrheit. Wer neben der Kasseler Linke dazugehören könne, ließ er offen. Cakir sprach sich für ein nächtliches Tempolimit auf Hauptverkehrsstraßen aus. Die Parkgebühren sollten nicht gesenkt werden, sondern müssten in einen besseren ÖPNV investiert werden. Auch Cakir griff die Sozialdemokraten in Sachen sozialer Wohnungsbau an. „Hier hat die SPD-Linke in Kassel den Schwanz eingezogen.“

Dr. Bernd Hoppe (Freie Wähler), 56 Jahre, Rechtsanwalt: ÖPNV zum Nulltarif

Dr. Bernd Hoppe (Freie Wähler).

Ein kostenfreies ÖPNV-Angebot wünscht sich Dr. Bernd Hoppe. Eine neue politische Mehrheit will der Freie Wähler zusammen mit SPD und Grünen bilden. Auch Hoppe kritisierte die Parkgebühren als zu hoch. Die Stadt dürfe sie aber nicht wieder nur prüfen, sondern müsse sie auch wirklich senken, forderte Hoppe. Beim sozialen Wohnungsbau verwies er auf Wien. Die österreichische Hauptstadt besitze nicht nur viele Wohnungen, sondern baue sie auch noch selbst.

Matthias Spindler (Die Partei), 25 Jahre, Student: EiNE Statue für den Stadtbaurat

Matthias Spindler (Die Partei).

Wenn er neuer OB von Kassel sei und der Haushalt der Stadt wieder einmal 40 Millionen Euro Überschuss abwerfe, wolle er das Herkules-Denkmal durch eine Statue von Stadtbaurat Christof Nolda ersetzen. Mit Antworten wie diesen wartete Satire-Kandidat Matthias Spindler beim Wahlforum auf. Auch auf Nachfrage blieb der 25-Jährige seiner Linie treu. Zur Zukunft der Markthalle legte sich Spindler allerdings fest: Die bleibt, da gebe ich ihnen mein Ehrenwort.“

Video: Das sind die Kandidaten

Wie die Kandidaten bei einer Umfrage abgeschnitten haben:

Nach einer Internet-Abstimmung auf HNA.de läuft es bei der Oberbürgermeisterwahl in Kassel auf einen klaren Sieg von Christian Geselle (SPD) hinaus. 

Der Sozialdemokrat erhielt 72 Prozent der insgesamt 2400 abgegebenen Stimmen. Dominique Kalb (CDU) kam auf elf Prozent. Es folgte Matthias Spindler (Die Partei) mit acht Prozent. 

Alle anderen Kandidaten erhielten bei der nicht-repräsentativen Internet-Umfrage vor und während des Wahlforums jeweils drei Prozent. Die Live-Übertragung verfolgten bis zu 550 Internet-Nutzer gleichzeitig. Erstmals lieferten bei diesem Wahlforum unserer Zeitung zwei Redaktionskollegen den Moderatoren und Teilnehmern Informationen als Fakten-Check zu. 

Die Redakteure Thomas Siemon und Jens Nähler recherchierten während der Veranstaltung, um Antworten auf offene Fragen zu geben oder auch die von Kandidaten ins Spiel gebrachten Angaben zu prüfen. Geprüft wurde zum Beispiel, ob sich die Parkgebühr an der Markthalle tatsächlich um 400 Prozent erhöht hat. Der Fakten-Check bestätigte das.

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