Hessische Sanierungsoffensive mit 540 Projekten

Überall Schlaglöcher: Die schlimmsten Rumpelpisten der Region

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Die Straße zwischen Hubenrode und Ermschwerd bei Witzenhausen ist ein einziges Schlagloch.

Deutschland ist ein Land der Schlaglöcher. Wir stellen die schlimmsten Rumpelpisten der Region vor und suchen mit Hilfe der Leser weitere. Hoffnung, dass es besser wird, gibt es kaum.

Aktualisiert am 23. August um 15.30 Uhr: Für Maren Doerwaldt müssten die kaputten Straßen rund um Kassel und Göttingen das Paradies sein. Die Künstlerin hat gerade für schöne Schlagzeilen im Sommerloch gesorgt: Aus einem Schlagloch in der Mönchengladbacher Sittardstraße machte sie mit Goldfisch, Muscheln, Steinen und Pflanzen ein Miniaturerholungsgebiet. Sogar die "Tagesschau" berichtete über das „schönste Schlagloch Deutschlands“.

So lustig wie Doerwaldts Projekt sind Schlaglöcher jedoch selten. Überall in Deutschland platzt der Asphalt auf. Auch in unserer Region bröselt es an allen Ecken und Enden. Wer zum Beispiel mit dem Auto, Motorrad oder Rad zwischen den Fritzlarer Stadtteilen Geismar und Züschen unterwegs ist, wird von der wunderschönen Natur im Tal, durch das das Flüsschen Elbe fließt, nichts mitbekommen - er hat genug damit zu tun, die Straße heil zu überstehen. Diese und andere Schlaglochpisten stellen wir hier vor. Die Karte dazu wird ständig aktualisiert.

Kennen Sie weitere Schlaglochpisten in der Region, schreiben Sie uns an online@hna.de.

Experten warnen bereits seit Jahren vor dem Zustand der deutschen Straßen. Bereits 2011 klagte der damalige ADAC-Chef Peter Meyer: "Wir haben unsere Straßen nicht gepflegt. Jetzt sind wir ein Land der Schlaglöcher." Das gilt für Autobahnen, Bundesstraßen und erst recht kleine Landstraßen.

An den vielen Holperpisten konnten bislang weder Wissenschaftler etwas ändern, die an superhaltbarem Asphalt forschen, noch die vielen Milliarden, die die Politik Jahr für Jahr im wahrsten Sinn des Wortes in die Löcher pumpt. 2015 kündigte der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) an, 2,7 Milliarden Euro in den Straßenbau zu stecken. 2011 waren es noch 2,1 Milliarden Euro gewesen. Und die schwarz-grüne Landesregierung in Hessen startete damals eine große Sanierungsoffensive: Bis 2022 sollen 540 Projekte mit 385 Millionen Euro gefördert werden. "Die Landesregierung meint es ernst mit dem Grundsatz: Sanierung vor Neubau", sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, der bemängelte, dass sich "der Sanierungsstau teilweise über Jahrzehnte aufgebaut" habe. Für die Opposition aus SPD und FDP ist das alles trotzdem noch nicht genug. 

Immerhin: Die Heinrich-Heine-Straße, Kassels berüchtigste Schlaglochpiste, soll nach endlosen Diskussionen 2019 endlich neu gemacht werden. Und nach einer ungewöhnlichen Protestaktion von Einwohnern des Wolfhager Stadtteils Viesebeck wegen des kaputten Straßenbelags versprach die Politik Abhilfe.

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Wie viele Schlaglöcher in der Region in den nächsten Jahren auch immer verschwinden - die Künstlerin Doewaldt könnte hier noch jede Menge Kunstbaustellen errichten. Ihr Projekt in Mönchengladbach hat mittlerweile so viele Fans, dass es sogar ein "Komitee zur Rettung und Erhaltung schöner Schlaglöcher" gibt. Mittlerweile ist "Deutschlands schönstes Schlagloch" mit Kunstharz aufgefüllt worden. So soll der idyllische Miniaturgoldfischteich auch den Winter überstehen.

Fünf ausgewählte Beispiele an Schlaglochpisten aus der Region.

Züschen-Geismar

Die Landesstraße 3214 führt zwischen den Fritzlarer Stadtteilen Geismar und Züschen durch das idyllische Elbetal. Schon vor zehn Jahren wurde man hier ordentlich durchgeschüttelt. Das hat auch die Politik erkannt: Der 820 Meter lange Streckenabschnitt ist eines der 540 Projekte, die als besonders dringlich bewertet wurden. Da die Straße jedoch im aktuellen Haushalt nicht vorgesehen ist, kann sie laut der zuständigen Landesbehörde Hessen Mobil frühestens 2020 saniert werden.  

Idyllisches Tal mit Horrorstraße: Die Straße zwischen den Fritzlarer Stadtteilen Geismar und Züschen.

Naumburg-Netze

Der Anstieg von Naumburg Richtung Edersee hat es in sich. Mit ein bisschen Glück trifft man hier den aus Bad Wildungen stammenden Triathleten und Iron-Weltmeister Patrick Lange auf dem Rennrad. Allerdings ist die Abfahrt auf der anderen Seite für Radsportler lebensgefährlich: Es geht mit neun Prozent bergab, ein Schlagloch reiht sich an das andere. In der Sanierungsoffensive der Landesregierung ist die Straße laut Hessen Mobil dennoch nicht vorgesehen. 

Lebensgefährlich für Radler: Die Abfahrt von Naumburg Richtung Edersee.

Friedrichsthal-Westuffeln

Rund um Wolfhagen und Hofgeismar sind viele Straßen in besonders beklagenswertem Zustand. Auch auf der Landesstraße 3233 zwischen dem Grebensteiner Stadtteil Friedrichsthal und dem Caldener Ortsteil Westuffeln wird man ordentlich durchgeschüttelt. Das wird auch so bleiben. Die Straße hat es nicht unter die 540 Projekte geschafft, die laut Land dringlich sind. Trotzdem verspricht Hessen Mobil, dass auch dieser Abschnitt "in einem verkehrssicheren Zustand gehalten" werde.

Im Kreis Kassel ist es vielerorts schlecht - wie hier in Friedrichsthal bei Grebenstein.

Hubenrode-Ermschwerd

Wer von Nieste aus durch den Kaufunger Wald Richtung Witzenhausen unterwegs ist, weiß, wie toll sich guter Asphalt anfühlen kann. Vor einigen Jahren wurde die Landesstraße 563 bis zur hessisch-niedersächsischen Grenze neu gemacht. Hinab ins Werratal sind die Straßen jedoch so schlecht wie beim Mauerfall. Besonders die Landesstraße 3401 zwischen Hubenrode und Ermschwerd ist ein einziges großes Schlagloch. Auch ihr Zustand wurde als dringlich bewertet. Ausgebessert werden kann die Straße nach Angaben von Hessen Mobil aber erst ab 2020.

Die Straße zwischen Hubenrode und Ermschwerd bei Witzenhausen ist ein einziges Schlagloch.

Bismarckstraße Göttingen

Die Bismarckstraße ist die kürzeste Verbindung zwischen den Göttinger Schillerwiesen und dem Stadtwald. Die Route durchs Grüne könnte so schön sein, wenn der Belag nicht wäre. Schneller als 30 Sachen darf man hier nicht fahren, mehr ginge aber auch ohnehin nicht.

Kein Vergnügen. Die Bismarckstraße in Göttingen.

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