Mann nach Schüssen übel zugerichtet: Neuer Anlauf im Prozess gegen Brüder

Kassel. Nein, er müsse nicht bleiben, erklärte Richter Henning Leyhe dem fragenden Nebenkläger. Er könne gehen. Aber natürlich nur in Begleitung der freundlichen Herren in den blauen Hemden, also mit den Wachtmeistern ins Gewahrsam – und dann wieder ins Gefängnis.

Das zog der junge Mann dem Verhandlungssaal im Amtsgericht vor. Anwesenheitspflicht hatten dort – bereits zum zweiten Mal – zwei Brüder aus der Kasseler Türsteher-Szene. Der 33- und der 31-Jährige müssen sich wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Es geht in dem Gerichtsverfahren um eine mutmaßliche Bestrafungsaktion, die schon mehr als drei Jahre zurückliegt.

Am Abend des 29. Juni 2010 hatte der Nebenkläger in der Kasseler Nordstadt in einem Konflikt mit den Brüdern Schüsse abgegeben. Deswegen sitzt er auch im Gefängnis. Das Landgericht hat ihn wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Die Brüder wiederum sollen den Nebenkläger an jenem Abend sofort verfolgt und übelst zugerichtet haben. Eine Kurzaxt, ein Messer und ein Teleskop-Schlagstock

seien dabei zum Einsatz gekommen, listet die Anklage auf. Als die Polizei eintraf, habe einer der beiden gerade auf das Gesicht des Nebenklägers eingetreten. Dieser habe unter anderem eine Schädelfraktur erlitten und ein Stück eines Fingers verloren.

Schon im Februar hatte das Amtsgericht über den Fall verhandelt. Dann gab es einen Krankheitsfalls unter den Schöffen. Der Prozess platzte.

Gestern wiederum hätte die Nebenklage gern den Prozess vertagt – weil die eigentliche Anwältin des jungen Mannes aus dringendem Grund fehlen musste. Das juristische Tauziehen ging bis zu einem Befangenheitsantrag gegen den Richter. Ohne Erfolg. Lediglich die Vernehmung des Nebenklägers wurde vertagt. Zwei weitere Verhandlungstage sind angesetzt.

Beide Angeklagten schwiegen

Die beiden Angeklagten wollten sich gestern noch nicht zu den Vorwürfen äußern. Auch mancher Zeuge tat sich etwas schwer: Wie die Waffe in der Hand des Nebenklägers ausgesehen habe, wollte der Richter von einem Mann wissen, der im beschossenen Wagen gesessen haben soll. „Schwarz“, sagte der, und dann: „Ganz normal.“

Von Katja Schmidt

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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