Trotz der Wahlniederlage sieht Parteichefin Eva Kühne-Hörmann die Kasseler CDU gut aufgestellt

So schlecht wie seit 50 Jahren nicht

CDU-Parteichefin Eva Kühne-Hörmann. Foto: 

Kassel. So wenig Zustimmung wie bei dieser Kommunalwahl bekam die Kasseler CDU zuletzt vor mehr als 50 Jahren. 1961 erzielte die Union mit 25,4 Prozent sogar ein etwas besseres Ergebnis als 2011. Noch schlechter waren die Zahlen bei den Wahlen 1956 (17,2 Prozent), 1952 (11,0) und 1948 (13,7).

Viele CDUler hatten die Kommunalwahl 2006 schon als Tiefpunkt angesehen. Doch im Vergleich hat die Union noch einmal fast fünf Prozent verloren. „Ich habe nie geglaubt, dass wir so abschmieren könnten. Das ist ein Desaster“, sagte Bernd-Peter Doose, Fraktionsvize der CDU im Kasseler Rathaus.

Etwas besser fiel das Fazit von Fraktionschef Dr. Norbert Wett aus. „Eine Riesen-Katastrophe ist es nicht, aber schon eine sehr große.“ Natürlich gebe es dafür überregionale Ursachen, aber auch lokale Gründe, sagte Wett. Auch vor Ort trage die Partei Verantwortung für die Wahl.

Etwas sanfter fällt die Analyse von Parteichefin Eva Kühne-Hörmann aus: „Wir können mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.“ Allerdings müsse man das Kasseler Ergebnis im Vergleich zum Trend in Bund und Land sehen. „Da ist Kassel kein Ausreißer“, sagte Kühne-Hörmann. Gerade in anderen Großstädten seien die Verluste noch größer. Landesweit fiel die CDU bei der Kommunalwahl um etwa fünf Punkte auf 33,4 Prozent.

In Kassel habe es keine Wechselstimmung gegeben, sagte Kühne-Hörmann. Durch die Politik der wechselnden Mehrheiten von Oberbürgermeister Bertram Hilgen seien keine strittigen Themen aufgekommen. Die Oppositionsarbeit der Kasseler CDU habe sich schwer darstellen lassen. „Das, was man macht, muss man anders dokumentieren“, sagte Kühne-Hörmann.

„Ich habe nie geglaubt, dass wir so abschmieren könnten. Das ist ein Desaster.“

Bernd-Peter Doose, stv. CDU-Fraktionschef

Überhaupt müsse die CDU ihr Profil besser darstellen. „Man muss einen Weg finden, um zu zeigen, wofür man steht“, so die Parteichefin.

Personell sieht sie die CDU in Kassel gut aufgestellt: „Wir haben ein junges Team im Vorstand.“ Kühne-Hörmann sieht keinen Grund, daran etwas zu ändern. Auch die Mischung der verschiedenen Berufsgruppen bei den künftigen Stadtverordneten sei gut. Damit stehe die CDU besser da als andere Parteien in Kassel, findet Kühne-Hörmann. Ebenso wie die Parteichefin will auch Fraktionschef Wett im Amt bleiben.

Misslungen ist der Versuch, die in den vergangenen Jahren oft außen vor gebliebene Junge Union (JU) besser einzubinden. Zwar hatte JU-Chef Max Schulze mit Rang 13 einen ganz guten Listenplatz. Doch mehrere Altvordere profitierten mehr vom Kumulieren und Panaschieren und zogen an ihm vorbei.

Fraktionschef Wett bedauerte, dass Schulze es nicht in die Stadtverordnetenversammlung geschafft hat. „Ich verstehe das nicht“, sagte Wett. JU und CDU hätten im Wahlkampf gut zusammengearbeitet. „Vielleicht war es die falsche Strategie, dass wir nur die junge Zielgruppe angesprochen haben“, sagte Schulze. Die JU wolle beraten, „was wir falsch gemacht haben“.

Ob die CDU den Neuanfang in der Opposition versucht, ließ Kühne-Hörmann offen. „Wir haben Interesse mitzugestalten und sind offen für Gespräche.“ Allerdings liege es an der SPD und OB Hilgen, auf sie zuzukommen. Auf grün-schwarze Gedankenspiele wollte sich die Parteivorsitzende nicht einlassen.

Von Claas Michaelis

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