Im neuen Anbau der Walter-Hecker-Schule wird es im Sommer brütend heiß

Schlechte Luft beim Lernen

Moderne Architektur: 4,5 Mio. Euro hat der 2011 fertiggestellte Anbau der Walter-Hecker-Schule gekostet. Die zum Pausenhof ausgerichtete Glasfassade lässt die Sonne zum Heizen in die Klassenräume scheinen. Wenn aber nachts die Lüftung aus Gründen der Energieersparnis nicht rechtzeitig eingeschaltet wird, kann es in den Räumen schon in den Morgenstunden stickig heiß werden. Foto: Fischer

Kassel. Bei schlechter Luft ist nicht gut lernen. Die Schüler der Walter-Hecker-Schule an der Sickingenstraße bekommen das im Sommer zu spüren. „Im neuen Anbau ist es bisweilen kaum auszuhalten“, sagen Schüler und Lehrer.

Das Klima in den Klassenräumen sei stickig und heiß, kein Lüftchen rege sich, in den Morgenstunden heize die Sonne die Räume hinter der Glasfassade wie Glutöfen auf. Unten in den Werkstätten der gewerblichen Berufsschule werde der Unterricht sogar nach draußen verlegt, weil die Hitze drinnen das Arbeiten erschwere.

„Und das, obwohl das Gebäude neu ist“, sagt Schuldirektor Harald Wellnitz. 4,5 Millionen Euro hat der moderne Anbau gekostet, 2011 wurde er fertiggestellt, seither sehnen sich die Schüler an heißen Tagen nach einem kühlen Lüftchen.

Der Anbau wurde als Niedrigenergiehaus konzipiert. Das heißt: Es existiert eine Lüftungsanlage – aber keine Klimaanlage. Energiekosten sollten erst gar nicht entstehen. Lediglich eine haushohe Glasfassade nach Südosten hin und das Lüftungssystem sollen für ein angenehmes Raumklima sorgen (siehe Hintergrund).

Was im Winter gut funktioniert, wird im Sommer zum Problem. Grund: Die Stadt scheut zu hohen Energieaufwand für die Lüftung. „Die Gebläse verursachen hohe Stromkosten“, sagt Axel Jäger, Amtsleiter für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung. Weil die Räume nur 20 bis 30 Prozent der gesamten Tageszeit für den Unterricht genutzt würden, werde die Lüftung an den Wochenenden und nachts ausgeschaltet. Erst eine halbe Stunde vor Unterrichtsbeginn werde das Gebläse aktiviert.

„30 Minuten reichen nicht aus“, sagt Wellnitz. Um die Räume und den Betonkern des Gebäudes abzukühlen, müsse die Lüftung nachts mehrere Stunden laufen. Selbst wenn die Lüftung dann noch den ganzen Vormittag über liefe, öffneten die Schüler die Fenster, weil es immer noch zu warm sei.

Auch das Herunterlassen der Fassadenjalousien nütze dann nicht mehr viel, sagt Wellnitz. „Wir sitzen dann im Dunkeln. Und es ist einfach nur stickig.“

Jäger räumt ein, dass die komplette Anlage möglicherweise noch nicht gut eingestellt sei. „Bislang haben wir seitens der Schule wenig Kritik gehört“, sagt Jäger. „Wir gingen davon aus, dass alles in Ordnung sei.“

Grundsätzlich sei die Stadt für Vorschläge offen. „Derzeit ist die Lüftung so eingestellt, dass sie bei 22 Grad Celsius Raumtemperatur anspringt.“ Das sei akzeptabel. Falls das dennoch als zu unangenehm empfunden werde, könne die Lüftung auch länger eingeschaltet bleiben – „wir werden das mit dem Haustechniker der Schule regeln“, sagt Jäger.

Es sei Unsinn, ein Gebäude für 4,5 Millionen Euro zu bauen, in dem man es dann nicht aushalte, sind sich beide Seiten einig.

Von Boris Naumann

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