Bundesweite Erhebung stellt Mängel in den Kategorien „Studierbarkeit“ und „Studiensituation insgesamt“ fest

Schlechte Noten für Universität

Kritikpunkt: Beengte Verhältnisse - hier der Hörsaal 1 BWL I, aufgenommen vor zwei Jahren - wirken sich negativ auf die CHE-Bewertung der Uni Kassel aus.

Kassel. Schlechte Noten gab es erneut für die Universität Kassel. Die Fachbereiche Politikwissenschaft, Soziale Arbeit, Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften erhalten vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und der Wochenzeitung Die Zeit wie bereits 2008 negative Bewertungen. 

In allen vier Fächern liegt die Uni laut einer aktuellen Erhebung in der Kategorie „Studiensituation insgesamt“ im bundesweiten Vergleich in der Schlussgruppe. Auch in der Bewertung der „Studierbarkeit“ bilden diese Bereiche das Schlusslicht - außer bei den Wirtschaftswissenschaften.

Überfüllte Hörsäle

Aus Sicht der Hochschulleitung sei das „unbefriedigend“, sagt Uni-Sprecher Guido Rijkhoek. „Ich gebe zu, dass ich mir hier ein besseres Ergebnis als in der letzten Erhebung 2008 gewünscht hätte und auch erwartet habe“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep. Die Hochschule werde jetzt die Ergebnisse im Detail auswerten und nach den Ursachen für das schlechte Abschneiden suchen.

„Die Universität Kassel hat bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Studiensituation zu verbessern“, sagt Postlep: „Wir haben das Veranstaltungsangebot über zusätzlich eingestellte Lehrkräfte ausgeweitet und die technische Infrastruktur verbessert.“ Daher liege die Vermutung nahe, dass die angespannte Raumsituation mit teils überfüllten Seminarräumen oder Hörsälen die Bewertung der Studierenden negativ beeinflusst habe. Die Tatsache, dass die Uni baulich für 12.000 Studierende ausgelegt sei, inzwischen aber rund 20.000 ausbilde, führe zu „erheblichen Problemen“. Postlep erwartet hier „eine grundlegende Verbesserung“ mit der Eröffnung des neuen Hörsaal- und Campus-Centers Ende 2013.

„Dass wir in Kassel räumlich und personell in manchen Bereichen Kapazitätsprobleme haben, lässt sich nicht leugnen“, sagt Sebastian Weise-Kusche, der Vorsitzende des Asta. Generell hält der Referent für politische Bildung aber nicht viel von den Bewertungen des CHE. Sie gingen nicht selten an den Bedürfnissen der Studenten vorbei.

Dabei gab es nicht nur Kritik: Die Fächer Politikwissenschaft und Soziale Arbeit haben im CHE-Ranking Spitzenwerte erreicht. In der Kategorie „Forschungsgelder“ konnten sich beide Fächer im bundesweiten Vergleich erneut in der Spitzengruppe platzieren. „Hier wird die gute Entwicklung der Universität Kassel deutlich, die im vergangenen Jahr mit mehr als 43 Millionen Euro einen neuen Rekordwert bei den Drittmitteln erzielen konnte“, sagt Postlep. In der wichtigen Kategorie „Internationale Ausrichtung“ liegen die Kasseler Politikwissenschaft sowie die Fächer Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftswissenschaften im bundesweiten Mittelfeld.

Für das CHE-Ranking werden 300 Unis und Fachhochschulen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden untersucht. Es wurden mehr als 250.000 Studenten befragt. (chr)

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