Gesamtbetriebsrat von Schlecker am Sonntagvormittag während einer Pressekonferez in Kassel

Schlecker: Betriebsrat und Ver.di verkünden Rettung von 200 Filialen

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Gesamtbetriebsrat von Schlecker am Sonntagvormittag während einer Pressekonferez in Kassel.

Kassel. In 24 stündigen Verhandlungen sei „das Maximale rausgeholt worden“: Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied der Gewerkschaft Ver.di, berichtete am Sonntag im InterCity-Hotel über die Ergebnisse, die in Kassel in Sachen Schlecker erzielt wurden.

Nach harten Verhandlungen zwischen Ver.di, dem Insolvenzverwalter und dem Gesamtbetriebsrat blieben 200 Filialen der insolventen Drogerie-Kette, die bereits auf der Streichliste standen, erhalten. Die Pressekonferenz war von bundesweitem Medienrummel begleitet.

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Vor den Kameras von Tagesschau & Co. berichtete Nutzenberger, dass am nächsten Samstag nicht 2400, sondern 2200 Geschäfte geschlossen werden. Wie viele Arbeitsplätze dadurch gesichert wurden, dazu wollte sie sich nicht äußern. Auf HNA-Anfrage bei Schlecker teilte man mit, dass in einer Filiale etwa drei Mitarbeiterinnen beschäftigt seien.

Sozialauswahl bei Kündigung

Bislang hatte Schlecker geplant, 11 750 Arbeitsplätze – und damit etwa die Hälfte seiner Stellen – zu streichen. „Es werden weniger sein – da bin ich mir sicher“, sagte Nutzenberger. Die Kündigungen zum 28. März werde der Insolvenzverwalter bis Dienstagmittag aussprechen. Die Auswahl, zu der auch in Kassel entschieden wurde, laufe nach sozialen und regionalen Kriterien.

Aber auch sonst brachten die Verhandlungen in Kassel mehr Klarheit über die Zukunft der Schlecker-Frauen: So wurden die Transfergesellschaften vorbereitet. Sie sollen die gekündigten Mitarbeiterinnen auffangen und weiterqualifizieren. Die Träger könnten sofort starten, aber noch stehe der Plan unter dem Vorbehalt einer Finanzierungszusage der Politik, sagte Ver.di Verhandlungsführer Bernhard Franke.

Finanzierung heute Thema

Am heutigen Montag kommen Vertreter der Landesregierungen in Berlin zusammen, um über eine Finanzierung zu beraten. „Wir erwarten bis Dienstag von der Politik, dass sie ein Finanzierungsdarlehen gewährt“, sagte Franke. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte es abgelehnt, dass der Bund die finanzielle Verantwortung übernimmt. „Politik diskriminiert uns“

Christel Hoffmann, Gesamtbetriebsratsvorsitzende bei Schlecker, sieht ihre Kolleginnen angesichts fehlender politischer Hilfe diskriminiert. Banken, Opel und Steinkohle-Bergwerke seien mit viel Geld durch den Staat unterstützt worden – die Schlecker-Frauen stünden alleine da. Für die bei Schlecker verbleibenden Mitarbeiterinnen sollen sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Sie würden alle nach dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels bezahlt, sagte Franke. Zudem sei ein Verzicht auf Leiharbeit ausgehandelt worden. Auch über Abfindungen für die ausscheidenden Beschäftigen sei eine Einigung gefunden worden: Höhe und Zeitpunkt der Auszahlung seien aber erst nach Abschluss des Insolvenzverfahrens klar. (bal)

Aus dem Archiv

Auch Stadt Kassel und Altkreis betroffen

Hälfte der Filialen werden geschlossen In der Stadt und im Altkreis Kassel werden zehn der insgesamt 21 Schlecker-Filialen am kommenden Samstag, 24. März, geschlossen. Bis dahin läuft dort der Räumungsverkauf mit 30 Prozent Rabatt auf alle Produkte. Die Gewerkschaft Ver.di Nordhessen rechnet für den Bereich Nord- und Osthessen mit etwa 150 Kündigungen zum 28. März. . In Kassel und im Altkreis dürften etwa 30 Mitarbeiterinnen vom Arbeitsplatzverlust betroffen sein. Diese Märkte haben am Samstag, 24. März, zum letzten Mal geöffnet:

Kassel:

• Wolfhager Straße

• Vautswiesenweg

• Unterneustädter Kirchplatz

Altkreis Kassel:

• Ahnatal, Hauptstraße

• Baunatal, Dachsbergstraße

• Fuldatal, Friedrichstraße

• Lohfelden, Berliner Str.

• Lohfelden, Welleröder Straße

• Schauenburg, Bahnhofstraße

• Vellmar, Lüneburger Straße

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