Nachricht von drohender Insolvenz verunsichert Mitarbeiter - Kunden zeigen sich überrascht

Schlecker-Mitarbeiter in Kassel bangen um ihre Arbeitsplätze

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Bangen um die Zukunft: Die Nachricht von dem angekündigten Insolvenz-Antrag hat auch in der Schlecker-Filiale an der Altenbaunaer Straße für Unruhe gesorgt.

Kassel. Die Nachricht von der Schlecker-Pleite traf die Mitarbeiter in Kassel am Freitag unvorbereitet. Sie bangen nun um ihre Arbeitsplätze.

„Ich weiß von nichts“, sagte eine Verkäuferin, die wie andere auch aus Angst vor möglichen Nachteilen nicht mit Namen in der Zeitung stehen will. Kunden hatten ihr die schlechte Nachricht überbracht. „Wir wissen schon, dass Läden geschlossen wurden“, sagte eine andere Mitarbeiterin. „Aber das nicht.“

Auch der Kasseler Betriebsrat war nicht über den Insolvenzantrag informiert worden. „Uns ist im Vorfeld gar nichts bekannt gewesen“, sagte Vorsitzende Kerstin Werner. Allerdings sei die Insolvenz absehbar gewesen. „Seit über einem halben Jahr haben wir kaum noch Ware bekommen“, sagte die 36-Jährige. Die Betriebsratsvorsitzende ist seit zwölf Jahren im Unternehmen.

Sie vertritt 50 Mitarbeiter in neun Schlecker-Filialen östlich von Kassel. „Wir wurden immer fair behandelt“, sagte sie. Dass es mit Schlecker wieder aufwärts gehen könnte, glaubt sie nicht. „Da müsste sich eine ganze Menge ändern. Ich glaube nicht, dass da noch was zu retten ist.“

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„Es sind viele Beschäftigte, die verunsichert sind“, sagte Erika Preuß vom Fachbereich Handel der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Kassel. Dass Schlecker Planinsolvenz beantragen wolle, bedeute, dass die Geschäftsleitung unter Aufsicht des Insolvenzverwalters weiter arbeiten und ihre Sanierungspläne umsetzen könne. Die Gewerkschaft werde sich das genau ansehen und ausloten, ob Arbeitsplätze über einen Sanierungstarifvertrag gerettet werden können. „Die Mitarbeiter erwarten aber auch, dass die Eigentümer selbst ihren Beitrag leisten.“ Schließlich seien sie Milliardäre. „Eigentum verpflichtet“, sagte Preuß.

Die Kunden zeigten sich am Freitag ebenso überrascht wie die Mitarbeiter. „Ich bin geschockt“, sagte Stephan Christ. Der 46-Jährige kauft regelmäßig in der Schlecker-Filiale an der Altenbaunaer Straße in Oberzwehren ein. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte er. Dass Schlecker nicht aus den Schlagzeilen kommt, sei ihr nicht entgangen, sagte Kundin Lore Creter. Aber Insolvenz? Dafür habe sie keine Erklärung. „Ich hole mir hier alles: Kosmetik, Putzmittel“, sagte die 68-Jährige. „Es ist ja auch der einzige Laden hier. Es wäre eine Schande, wenn sie den zumachen würden.“

Anna Müller kauft auch gern bei Schlecker ein. „Die Preise stimmen“, sagte sie. „Das was ich brauche, kaufe ich immer hier und bekomme ich auch hier.“

Ob sie auch in Zukunft in ihrer Schlecker-Filiale einkaufen kann, weiß niemand. „Uns wird nichts gesagt“, klagte eine Verkäuferin. „Dass was im Busch ist, haben wir nur daran gemerkt, dass wir nicht mehr in vollem Umfang beliefert wurden.“ Die Mitarbeiterin macht die Unternehmensleitung für die Misere verantwortlich. Gut gehende Filialen seien geschlossen worden. „Jetzt fehlt Geld. Nun müssen uns die Kunden weiter unterstützen.“

Von Ellen Schwaab

Hintergrund

In Kassel und dem größeren Umkreis betreibt die Drogeriekette Schlecker nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di etwa 50 Filialen mit über 200 Mitarbeitern.

Zuletzt hatte das Unternehmen mit der Umwandlung von Filialen in so genannte XL -Märkte von sich reden gemacht. Kleinere Filialen wurden geschlossen, nebenan neue Märkte eröffnet. Die Mitarbeiter sollten dort unter schlechteren Konditionen arbeiten. Dies konnte schließlich aber abgewendet werden. (els)

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