Sylvester Wöhrle erfand vor 90 Jahren in Ihringshausen das Sicherheitsschloss

So schließt ganz Europa

So funktioniert ein Schließzylinder: Stimmen die Kerben des Schlüssels mit den Zuhaltungsstiften des Schließzylinders überein, kann der Zylinderkern gedreht und das Schloss geöffnet werden. Unser Bild entstand in einem Kölner Museum. Foto: dpa

Kassel / Fuldatal. Ein Sicherheitsschloss ist heute fast in jeder Wohnungstür. Im Schloss steckt ein Profilzylinder. Die Grundlage für diese Sicherheitstechnik wurde in den 1920er-Jahren in Ihringshausen erdacht. Sylvester Wöhrle gilt als Erfinder des Doppel-Schließzylinders, der bis heute für verlässlich gesicherte Türen sorgt.

Erste Sicherheitsschlösser wurden in Nordamerika bereits in den 1860er-Jahren entwickelt. Auch in Deutschland waren schon Schlösser mit hintereinander angeordneten Sperrstiften und einem flachen, gekerbten Schlüssel im Einsatz. Doch diese Rundschlösser waren materialaufwendig, teuer und unpraktisch.

Der aus dem Schwarzwald stammende Diplom-Ingenieur Sylvester Wöhrle war in den 1920er-Jahren für die seit 1907 bestehende Firma Hahn für Optik und Mechanik in Ihringshausen tätig. Der von Wöhrle entwickelte und 1924 zum Patent angemeldete Hahn-Zylinder, der auch als Zeiss Ikon oder Euro-Profil bekannt ist, wurde zum Urtyp für die Abmessungen moderner Schließzylinder und ist bis heute die gebräuchlichste Form von Sicherheits-Türschlössern. Wöhrles Konstruktion war der erste einteilige, beidseitig zu schließende Profilzylinder der Welt.

Die Bauform dieses Hahn-Zylinders ermöglichte die Nachrüstung in vorhandene Einsteckschlösser. Damit war der massenhaften Verwendung der Sicherheitstechnik in Gewerbe und Privatbereich der Weg geebnet.

Aufgrund der leichten Handhabbarkeit, Robustheit und Austauschbarkeit wurde der Hahn-Zylinder zum meisteingesetzten Schließsystem in Europa und vielen Ländern der Welt.

Die Firma Hahn, seit 1910 ein Tochterunternehmen der Berliner Goerz AG, und der Standort Ihringshausen wurden 1927 aufgegeben, das im selben Jahr erteilte Patent ging an die Berliner Zeiss Ikon AG.

Wöhrle zog mit nach Berlin und arbeitete noch bis 1959 – er war damals 73 Jahre alt – als Ingenieur und Prokurist für das Unternehmen, das ihm noch weitere Patente zur Verbesserung des Schließzylinders verdankt.

Zeiss Ikon wurde 1989 aus der Carl Zeiss AG ausgegliedert und in die Assa Abloy Sicherheitstechnik überführt. Das schwedische Unternehmen ist der weltweit größte Konzern für Sicherheitstechnik. Assa Abloy hat 41 000 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von über 4,6 Milliarden Euro.

In der nächsten Folge geht es um Immunolab, einen Kasseler Entwickler und Hersteller für Immundiagnostik.

Von Jörg Steinbach

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