SPD und Grüne wollen Kastrationspflicht für Katzen

Kommt bald auch in Kassel die Kastrationspflicht? In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Tierschutzbundes zwei Millionen wilde Katzen. Foto: Kessler

Kassel. In vielen deutschen Städten ist sie bereits eingeführt: Auch die Stadt Kassel denkt über eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen nach.

SPD und Grüne sprachen sich jetzt dafür aus, der rasanten Vermehrung wilder Katzen mit einer entsprechenden Verordnung Einhalt zu gebieten. Eine solche Regelung halten die beiden Fraktionen für unumgänglich.

„Die Tierheime haben ihre Kapazitätsgrenzen schon jetzt erreicht“, begründet Dr. Günther Schnell (SPD) den dringenden Handlungsbedarf. Das bestätigt Karsten Plücker vom Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel, das jährlich etwa 700 Katzen aufnimmt, versorgt und im besten Fall vermittelt. Etwa 70 Prozent der Fundtiere seien nicht kastriert.

Der Tierheimleiter macht deutlich: „Wir sind für die Kastrationspflicht, auch wenn uns das Geld kostet.“ Allerdings nütze die Verordnung nichts, wenn nicht jene Unterstützung bekämen, die sich den tierärztlichen Eingriff nicht leisten können. „Die Krux ist doch: Die Stadt führt etwas ein, aber die Oma kann’s aus ihrer Rente nicht bezahlen und macht sich dann strafbar“, sagt Plücker.

Video: So wird ein Kater kastriert

Es müsse also ein Weg gefunden werden, das Vorhaben sozialverträglich zu gestalten. Finanzschwache Katzenhalter sollten bei der Finanzierung der Kastration ihres Haustiers finanzielle Unterstützung erhalten, schlägt der Tierheimleiter vor. Das sollte aber nicht für künftige Katzenbesitzer gelten: Wer plane, sich ein Tier anzuschaffen, müsse die kompletten Kosten für dessen Unterhalt - also auch die für Kastration und Registrierung mit einem Mikrochip - auch zahlen können, mahnt Plücker.

Paderborner Modell

Paderborn hatte 2009 als erste Kommune die Auflage erlassen, alle Freigängerkatzen zu kastrieren. In der Verordnung heißt es: „Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen zu lassen. Dies gilt nicht für weniger als fünf Monate alte Katzen. Als Katzenhalter im vorstehenden Sinne gilt auch, wer frei laufenden Katzen regelmäßig Futter zur Verfügung stellt.“

Auch andere deutsche Städte wenden dieses Modell inzwischen an. Bereits im Dezember 2011 hatte das städtische Veterinäramt mitgeteilt, die Stadt Kassel sei ebenfalls dabei, eine entsprechende Verordnung auf den Weg zu bringen. Nun haben SPD und Grüne das Thema wieder aufgegriffen. Mit einem gemeinsamen Antrag wollen sie dieses in Form einer Expertenanhörung in den Rechtsausschuss bringen. Erörtert werden soll, wie die Kastrationspflicht für Katzen in Kassel umgesetzt werden könnte.

Schnelle Umsetzung

Wie Günter Schnell drängt auch Christine Hesse, tierschutzpolitische Sprecherin der grünen Rathausfraktion, auf eine schnelle Umsetzung: „Wilde Katzen fristen meist ein trauriges Dasein - sie sind unterernährt, haben ein deutlich höheres Infektions-Risiko und leiden häufig an Verletzungen.“ Ein weiteres Zögern werde das Leid der Katzen nur verschlimmern. (abe)

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