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Christian Geselles Wahlkampfauftakt: Schluss mit „Basta“

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Von: Matthias Lohr

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Bekam viel Applaus von 200 geladenen Besuchern im UK 14: Oberbürgermeister Christian Geselle (Mitte) mit den beiden Moderatoren Rosa-Maria Hamacher und Horst Seidenfaden.
Bekam viel Applaus von 200 geladenen Besuchern im UK 14: Oberbürgermeister Christian Geselle (Mitte) mit den beiden Moderatoren Rosa-Maria Hamacher und Horst Seidenfaden. © Andreas Fischer

Bei seiner Auftaktveranstaltung für den Wahlkampf setzte Amtsinhaber Christian Geselle auf Wohlfühlmiteinander. Die Anhänger des unabhängigen Kandidaten waren angetan.

Wenn Christian Geselle abends allein im Rathaus ist, macht der Oberbürgermeister in seinem Büro manchmal die Musik an. Um über Probleme nachzudenken, hört er Klassik oder Hymnen, wie der 46-Jährige am Donnerstag bei seinem Wahlkampfauftakt im UK 14 erzählte.

Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 hörte Geselle demnach immer wieder die Hymne des FC Liverpool. In „You’ll Never Walk Alone“ heißt es: „Wenn du durch einen Sturm gehst, halte den Kopf hoch.“ Am nächsten Morgen präsentierte der Rathaus-Chef seinen Mitarbeitern den Namen für sein Corona-Unterstützungsprogramm: „Kopf hoch, Kassel“ wurde ein Erfolg.

Der Sozialdemokrat, der sich mit Teilen seiner Partei überworfen hat und als unabhängiger Kandidat wiedergewählt werden will, hat in seiner bisherigen Amtszeit viel erreicht. Das war die eine Botschaft des Abends. Die andere lautete: Geselle hat noch einiges vor. Das kam gut an bei den 200 geladenen Besuchern im proppevollen Saal. Es gab viel Applaus und am Ende Standing Ovations. Ganz schön viel Aufbruchsstimmung für jemanden, der schon mehr als fünf Jahre im Amt ist.

Im Gespräch mit den Moderatoren Rosa-Maria Hamacher (Paritätischer Wohlfahrtsverband) und Ex-HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden verriet Geselle, dass ihm das „Wohlfühlmiteinander“ besonders wichtig sei. „You’ll Never Walk Alone“ auf Nordhessisch sozusagen. Seine Politik sei keine One-Man-Show.

Geselle betonte also das, was ihm Kritiker oft absprechen. Sie werfen ihm Alleingänge und eine „Basta“-Politik vor. Auch derlei Kritik nahm er selbstironisch auf. Wenn er zu lang redete, hielt das Moderatorenduo „Basta“-Schilder hoch.

75 Minuten lang skizzierte Geselle im Frage-und-Antwort-Modus seine Politik: vom prosperierenden Gewerbegebiet Langes Feld, das er gegen Widerstände durchgesetzt habe und das für „Wohlstand und Arbeitsplätze“ sorge, über das neue Polizeirevier Ost in Waldau (Applaus) bis zur Kita in Nordshausen, die in Rekordzeit gebaut worden sei (noch mehr Applaus).

Wie im TV-Talk „Inas Nacht“ konnten Besucher auf Bierdeckeln Fragen notieren. „Meine beste Idee für Kassel“ war auf die Rückseite gedruckt. Eine Frage lautete, was Geselle von der SPD halte. Hier wich er aus. Er habe stets eine geradlinige Meinung. Zu der stehe er. Das war’s.

Mehr redete der Amtsinhaber über seine Familie. Er erzählte, wie sie 2018 auf Kos im Urlaub waren und er ständig telefonieren musste, um einen Standort für den documenta-Obelisken zu finden. Nun hätte seine Familie den Impuls gegeben, trotz anstrengender Zeiten ein weiteres Mal zu kandidieren. „Papa, mach es noch mal“, hätten seine beiden Kinder gesagt.

Auch um den gerade vorgelegten Koalitionsvertrag des Jamaika-Bündnisses ging es immer wieder. Einmal sagte Geselle, Grüne, CDU und FDP hätten wohl bei seiner Neujahrsansprache abgeschrieben. Tatsächlich finden sich in dem Papier Punkte, die Geselle vorantrieb (etwa Videoüberwachung). Als Oberbürgermeister könne er sich gut vorstellen, auch mit Jamaika zusammenzuarbeiten. Dazu passt sein Bekenntnis: „Ich mag Reggae-Musik.“ Vielleicht klingt abends aus dem Rathaus bald Bob Marley. (Matthias Lohr)

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