In Kassel hat der Liebesbeweis bisher keine Chance - Andere Städte sind offener

Schluss mit den Schlössern

In Rotenburg erwünscht: Die Stadtverwaltung hat am Brückenpfeiler der Altstadtbrücke eigens ein Gitter installiert, wo die Liebesschlösser angebracht werden dürfen. Auf unserem Foto nimmt Tina Weber das Gebilde unter die Lupe. Foto: Kessler

Kassel. Kaum hängen sie - schon sind sie verschwunden. Dann waren mit Sicherheit Mitarbeiter der Stadtverwaltung am Werk und haben die kleinen Objekte, sogenannte Liebesschlösser, mit Bolzenschneidern wieder entfernt. „Sie tun den Brücken nicht gut“, sagt Binasa Bidzan-Cornelius vom städtischen Straßenverkehrs- und Tiefbauamt zur Erklärung: „Die Schlösser fangen an zu rosten und ziehen hässliche Rostfahnen.“

Brauch von Liebespaaren

Heimlich sind in letzter Zeit auch in Kassel an der einen oder anderen Brücke bunte Vorhängeschlösser aufgetaucht. Bislang wurden sie an der Drahtbrücke, an der Karl-Branner-Brücke und an der Schwimmbadbrücke über der Fulda gesichtet.

Von Unbekannten - aller Wahrscheinlichkeit nach Liebespaare - angebracht, als Symbol für ewige Liebe. Der dazugehörige Schlüssel dürfte auf Nimmerwiedersehen in der Fulda gelandet sein. So jedenfalls machen es - einer neuen Mode gehorchend - Liebespaare in der gesamten Republik. So hängen beispielsweise am Frankfurter Eisernen Steg, der über den Main führt, inzwischen etwa 50 dieser Liebesschlösser. Von der Stadtverwaltung werden sie geduldet.

Die ersten Liebesschlösser wurden in Deutschland 2008 an der Kölner Hohenzollernbrücke gesichtet. Sie ist der bekannteste deutsche Ort für diesen neuen Brauch.

Im nordhessischen Rotenburg an der Fulda hat das Standesamt aus der Liebes-Mode sogar eine Image-Kampagne gemacht. Anstatt die ersten Schösser am Geländer der Altstadtbrücke zu entfernen, wurden zusätzliche Drahtgeflechte an den Pfeilern angebracht. Liebes- und Brautpaare werden geradezu aufgefordert, dort ihre Vorhängeschlösser anzubringen.

Zum Auftakt im Dezember vergangenen Jahres gab es für die sechs Rotenburger Brautpaare des Tages sogar je ein Liebesschloss von der Stadtverwaltung geschenkt. Clevere Schlüsseldienste haben reagiert und bieten an, die Schlösser entsprechend zu gravieren.

Nur 50 Kilometer flussabwärts sieht die Welt ganz anders aus. In Kassel sei die Mode noch nicht sehr stark zutage getreten, erklärt Bidzan-Cornelius.

Etwas mehr als ein Dutzend Schlösser an Brücken hätten ihre Mitarbeiter in Kassel bislang entfernt. „Wir wollen die Anfänge stoppen“, sagt sie: Die Bauwerke brauchten so was nicht und juristisch betrachtet, handele es sich hierbei um Sachbeschädigung.

Von Christina Hein

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