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Schmerzen nehmen, Bewegung erhalten
Andrei-George Anghel über die Instrumentierung der Lendenwirbelsäule

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Von: Thomas Purkott

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Die Wirbelsäule des Menschen besteht aus 24 freien Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich verbunden sind.
Die Wirbelsäule des Menschen besteht aus 24 freien Wirbeln, die über 23 Bandscheiben beweglich verbunden sind, sowie acht bis zehn Wirbeln, die zu Kreuz- und Steißbein verwachsen sind. Da die Wirbelsäule fast das gesamte Körpergewicht tragen und auf die Beine verteilen muss, ist sie im Laufe der Zeit anfällig für Erkrankungen. © Panthermedia / CLIPAREA

Es gibt Erkrankungen, die erfordern neben konservativer Behandlung einen chirurgischen Eingriff an der Wirbelsäule – dazu zählen unter anderem degenerative Veränderungen wie die Spinalkanalstenose, Osteochondrose aber auch stabilitätsgefährdende Tumore oder Frakturen. 

Andrei-George Anghel, Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau, hat tagtäglich mit Krankheitsbildern dieser Art zu tun. Wir sprachen mit dem Mediziner, dessen Schwerpunkte im Bereich der Skoliose und osteoporotischen Frakturen liegen, über verschiedene Methoden des chirurgischen Eingriffs an der Wirbelsäule.

Herr Anghel, im Zusammenhang mit Frakturen und anderen Erkrankungen, die zu einer Instabilität der Wirbelsäule führen, hört man häufig von Versteifungen. Was genau wird dabei gemacht?

Zunächst muss man sagen, dass die Versteifung von Segmenten der Wirbelsäule ein Eingriff ist, der schon sehr lange durchgeführt wird und, wenn die Indikation korrekt ist, auch erfolgsversprechend ist. Inzwischen haben sich jedoch die Materialien und auch die Techniken enorm weiterentwickelt. Ist eine Versteifung notwendig, versucht man heute, die Strecke so kurz wie möglich zu halten, um Bewegungseinschränkungen möglichst gering zu halten. Wichtig ist, dass die Indikation und die OP-Technik korrekt sind. Dann können viele Patienten davon profitieren und sich wieder schmerzfrei bewegen. Bei der Operation kommen – vereinfacht ausgedrückt – Schrauben, Stäbe und ein Platzhalter im Zwischenwirbelfach zum Einsatz, die das betroffene Segment fusionieren.

Welche Nachteile können sich daraus ergeben?

Langjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass sich meistens oberhalb eines versteiften Bereichs nach gewisser Zeit eine sogenannte Anschlussdegeneration entwickeln kann, eine Art Überlastungsreaktion, häufig mit Einengung des Spinalkanals einhergehend. 

Wie hängt das zusammen?

Durch die versteiften Segmente wird die Belastung auf die Wirbelsegmente darüber und darunter verlagert. Meistens sind die darüberliegenden, schmaleren Wirbelsegmente diejenigen, bei denen sich mit der Zeit verfrüht Verschleißerscheinungen zeigen.

Wie wirkt man dieser möglichen Folge entgegen?

Wir setzen bereits seit vielen Jahren auf dynamische Implantate, die bewegungserhaltend sind. Vor allem im degenerativen Bereich, etwa bei Spinalkanalstenosen, kommen sie zum Einsatz. Mithilfe der dynamischen Instrumentierung stabilisiert man das Segment, ohne die Bewegung dabei wesentlich einzuschränken. Dadurch kommt es auch nicht zu übermäßiger Belastung im darüber liegenden Bereich.

Kann man sagen, dass die Beweglichkeit der Patienten nach einer solchen Operation wieder komplett hergestellt ist?

Das Bewegungsmuster, das man damit erreicht, entspricht noch nicht dem normalen und ist auch abhängig vom Zustand und Alter des Patienten. So unterscheidet sich das Bewegungsmuster eines 30-jährigen Menschen zum Teil stark von dem eines 80-Jährigen. Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Versteifungsoperation zwischen zwei Wirbeln zwar in dem operierten Segment zu einem Bewegungsverlust führt, allerdings durch die Schmerzbesserung eher eine deutlich freiere Bewegung der restlichen Segmente erlaubt.

Welche Vorteile birgt eine dynamische Stabilisierung noch?

Wir nehmen diesbezüglich an einer Zulassungsstudie teil, die die Langzeitergebnisse verdeutlichen wird. Die Ergebnisse aus der ersten Studie liegen bereits seit fünf Jahren vor und sind durchweg positiv. Das heißt: Stenosen werden dekomprimiert, Instabilitäten behoben und die Operationsdauer ist kürzer, da im Gegensatz zur früheren Methode das Gelenkfach nicht geleert und durch einen Platzhalter ersetzt werden muss. (veg)

Andrei-George Anghel ist seit Juni 2020 als Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau beschäftigt.
Andrei-George Anghel ist seit Juni 2020 als Oberarzt der Wirbelsäulenorthopädie an der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau beschäftigt. Seinen Schwerpunkt hat der Mediziner im Bereich der Skoliose und osteoporotischen Frakturen. Anghel ist verheiratet und hat zwei Kinder. © Agentur

Kontakt:
Orthopädische Klinik
Hessisch Lichtenau
Am Mühlenberg
37235 Hessisch Lichtenau
T 0 56 02 / 830
klinik-lichtenau.de

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