Probleme mit rechten Parolen auf Campus: Auch Schmierereien gegen Asta-Chef

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Will sich nicht einschüchtern lassen: Asta-Vorsitzender Sebastian Weise-Kusche hat kein Verständnis für die Graffiti gegen seine Person, die gestern auf dem Campus entdeckt wurden (siehe schwarzer Schriftzug oben rechts im Bild und im Detail links).

Kassel. Mehr als ein Dutzend Graffiti mit dem Text „Weise-Kusche - Kusch Kusch“ sind in der Nacht zu Dienstag auf dem Campus hinterlassen worden. Sie richten sich offenbar gegen Sebastian Weise-Kusche, Vorsitzender des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta).

Der 24-Jährige ist Mitglied der Juso-Hochschulgruppe. In der Machart ähneln die Schmierereien, die mit Sprühschablonen aufgebracht wurden, rechtsradikalen Graffiti, die in den vergangenen Monaten mehrfach auf dem Campus entdeckt wurden. Mitte September waren mehrere Graffiti mit der Parole „Braun statt Bunt“ aufgetaucht.

Die Uni-Bibliothek, ein Bauzaun und auch das Holocaust-Mahnmal „Die Rampe“ an der Moritzstraße waren damit beschmiert worden. Die Polizei nahm damals drei Tatverdächtige fest – einen 43-Jährigen aus Kassel, einen 23-Jährigen aus dem Landkreis und einen 21-Jähriger aus Hann. Münden – gegen die nun ein Ermittlungsverfahren läuft.

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Auch diesmal hat die Universität Anzeige erstattet. Jeder Fall von „rechtsextremistischen oder sich gegen Angehörige der Hochschule richtenden Graffiti“ werde zur Anzeige gebracht, betonte gestern Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep. Insbesondere für die Beschädigung des Zwangsarbeiter-Mahnmals habe die Hochschule „kein Verständnis und null Toleranz“, ergänzte Uni-Sprecher Dr. Guido Rijkhoek.

Braun statt bunt: Diese Parole, bereits durchgestrichen, war gestern auf einer Brücke über die Ahna zu sehen.

Asta-Vorsitzender Sebastian Weise-Kusche kann sich die Graffiti gegen seine Person nicht erklären. „Auch wenn im Januar Hochschulwahlen sind – so etwas traue ich keinem der Mitbewerber zu.“ Die Sache gehe über einen Dumme-Jungen-Streich hinaus. Falls die Schmierereien aus der gleichen Ecke kommen wie die Neonazi-Parolen, kann sich der Asta-Chef vorstellen, dass es bei den möglichen Tätern wenig Sympathie für die Asta-Veranstaltungen zum Thema Nationalsozialismus und Rechtsradikalismus gibt. Der Asta war auch Mitveranstalter der Menschenkette gegen Rechtsradikalismus vor zehn Tagen. Er werde sich nicht einschüchtern lassen, sagt Weise-Kusche. Die vermehrten Fälle rechter Parolen auf dem Campus bestärkten ihn, „dass es richtig ist was wir machen.“

Bereits im November war der Kopierer des Asta mit einem NPD-Aufkleber „Ausländer rein? Keine Überfremdung – Keine Moschee“ beklebt worden. Auch im Fachbereich Erziehungswissenschaften sind schon Neonazi-Sticker und Sprühparolen entdeckt worden. Angesichts eines offenen Campus könne man sich kaum gegen Schmierereien wehren, sagte Uni-Sprecher Rijkhoek. Die Gefahr sei, dass sich dort auch Menschen tummelten, die mit der Uni nichts zu tun hätten. Mit dem Entfernen der Graffiti wurde gleich gestern begonnen.

Von Katja Rudolph

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