Schmollmund und Schlafaugen

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Verkauft Puppen aus Nachlass: Karin Hildegard Balk mit einer Käthe Kruse-Puppe (vorn) und einer Künstlerpuppe.

Ihr Gesicht ist makellos. Die blauen Augen blicken versonnen nach vorn, und das blonde Haar ist zu einer Zopffrisur aufgesteckt, die eine Blütenkrone ziert. Sie trägt ein dunkelblaues Baumwollkleid mit einem hell-karierten Schürzenkleid darüber.

Er steht neben ihr, eher zufällig: Mit seinen Lederhosen und dem kecken Hut will er auch nicht so recht zu ihr passen. Er wirkt unternehmungslustig und bodenständig, sorgfältig gekleidet, aber ein wenig rustikal – handgestrickte Strümpfe und lederne Sandalen muss man halt mögen.

So unterschiedlich wie diese beiden Exemplare ist die Sammlung aus 42 Puppen, die Karin Hildegard Balk mittels einer Kleinanzeige in der HNA verkaufen will.

Puppen als Kulturgut

Die ehemalige Realschullehrerin hat im Jahr 2001 den Verein Freunde des Puppen- und Spielzeugmuseums Kassel gegründet. Die Puppen stammen aus dem Nachlass einer Mitgliedsfrau, die testamentarisch den Verkauf zugunsten des Vereins verfügt hat. „Vielleicht bringt uns das unserem Ziel, ein eigenes Museum einzurichten, etwas näher“, sagt Karin Hildegard Balk. Noch fehlen dem Verein Räumlichkeiten für eine Dauerausstellung. Die Mitglieder haben sich unter anderem den Erhalt von Puppen und Spielzeug als Kulturgut zum Ziel gesetzt.

Bildergalerie

HNA-Markt: Puppen mit Schmollmund und Schlafaugen

Die zum Verkauf stehenden Puppen geben einen Eindruck darüber, wie Puppen Zeit- und Kulturgeschichte symbolisieren. Mit Gesichtern aus Porzellan, Körpern aus Pappmaché und Schlafaugen ausgestattet wirken zwei von ihnen aus den 1930er-Jahren sehr realistisch. Zarte Batistkleider täuschen über ihren Zweck hinweg: „Auch diese Puppen waren nicht nur zum Anschauen da. Die Kinder haben vor allem sonntags mit ihnen gespielt und dabei oft das Erwachsenenleben imitiert“, erklärt die ehemalige Realschullehrerin.

Zur Sammlung gehört auch ein Bär aus den 1950er-Jahren. Ihm zu Füßen liegen moderne Spielzeugpuppen, ausnahmsweise nicht lächelnd, sondern mit Schmollmund und glitzernden Tränen in den Augenwinkeln.

Puppen in landes- und regionaltypischer Kleidung

An ferne Länder erinnern Puppen in landes- und regionaltypischen Trachten. Aus Japan und Tunesien, Italien und dem Spreewald kommen die reich ausgestatteten Figuren, die eher zum Anschauen gedacht sind.

Manche Exemplare stammen aus berühmten Werkstätten: Die eingangs beschriebene Puppe ist eine Käthe Kruse-Puppe, der lederhosentragende Geselle stammt aus dem Hause Schildkröt. Sie und die anderen wurden gefertigt, um Kinderaugen strahlen zu lassen und die Fantasie beim Spielen anzuregen – das funktioniert auch im digitalen Zeitalter. (zip)

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