66-Jähriger bot billige Laptops und Fernseher an, die er nicht liefern konnte

Schnäppchenjäger gingen leer aus

Kassel. Fernseher und Laptops weit unter dem Listenpreis - dieses Angebot lockte zahlreiche Käufer. Sie waren so erpicht auf die preiswerten Geräte, dass sie vorab bezahlten. Doch die Lieferung blieb aus. Ein 66-Jähriger gestand am Donnerstag vor dem Amtsgericht, dass er die Leute betrogen hat, um so an Geld zu kommen. Die Frage ist noch, ob seine Ehefrau, die mit ihm auf der Anklagebank sitzt, ebenfalls Dreck am Stecken oder - wie beide behaupten - eine weiße Weste hat.

Der gelernte Elektriker, der inzwischen in Rente ist, hatte sich als Mitarbeiter einer Messebaufirma ausgegeben und behauptet, er könne nach dem Abbau von Ständen preisgünstig Geräte beschaffen. Im Messebau sei er tatsächlich mal beschäftigt gewesen, sagte der 66-Jährige am Donnerstag vor Gericht, doch nicht mehr zu dem Zeitpunkt, als er die fiktive Ware anpries. Um drei Anklageschriften geht es vor dem Amtsgericht. Alles, was dort aufgeführt ist, sei richtig, sagte der Rentner, der bereits mehrfach - auch einschlägig - vorbestraft ist.

Als Motiv gab er Spielschulden an. Zunächst stand er beim Finanzamt in der Kreide, dann versuchte er, dieses Loch mit Roulette und Lotto zu schließen. „Ich dachte, irgendwann schaffst du mal den Knaller, dann bist du deine Schulden los.“ Stattdessen „ist alles in die Hose gegangen“. Schließlich spielte ihm das Schicksal übel mit: Eine Krebserkrankung wurde diagnostiziert, die inzwischen überstanden ist. Bei einer Therapie will er seine Spielsucht in den Griff bekommen, außerdem bessert er mit einem Job beim Roten Kreuz seine Rente auf. „Jetzt weiß ich, wie schön es ist, sein Geld auf ehrliche Weise zu verdienen.“

Fünf Anzeigen

Acht Betroffene zahlten ihm insgesamt 8000 Euro für von ihm avisierte Geräte. Eine weitere Interessentin wollte gar sechs Notebooks und fünf Fernseher kaufen, sie gab ihm 4800 Euro. Ihr blieb der Angeklagte jedoch genauso die Lieferung schuldig, wie den Beschäftigten eines Kasseler Reha-Zentrums. Dort war die 65-jährige Ehefrau behandelt worden. Zehn Mitarbeiter sprangen auf das Angebot an, preiswerte Laptops und Fernseher kaufen zu können. Zwischen 350 und 500 Euro zahlten sie pro Gerät, nicht ein Einziges wurde geliefert. Einige bekamen einen Teil ihres Geldes zurück, andere warten bis heute auf die Rückzahlung. Fünf der Betrogenen erstatteten Anzeige.

Offen ist, wie in dem Reha-Zentrum der Kontakt zwischen dem Angeklagten und den Interessenten zustande kam. Der 66-Jährige beteuerte: „Es lief alles über mich!“ Auch seine Frau bestritt, etwas damit zu tun zu haben. Mitarbeiter des Zentrums, die am Donnerstag als Zeugen gehört wurden, waren sich nicht mehr sicher, wer den Kontakt hergestellt hat. Deshalb sollen bei einem zweiten Termin weitere Zeugen gehört werden. Am 9. August wird der Prozess fortgesetzt. (pas)

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