Schlechter Baugrund am Königsplatz machte Bauherren auch früher zu schaffen

Schnaps gegen das Wasser des Königsplatzes

Zeitdokument: Eine Postkarte zeigt den Kasseler Königsplatz, wie er vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Das Gebäude im Hintergrund zeigt die Commerzbank gegenüber dem heutigen City Point. Archivfoto:  Sammlung Jungheim/nh

Kassel. Wer auf dem Königsplatz baut, muss sich auf einiges gefasst machen. In diesen Tagen kämpfen die Arbeiter beim Neubau für das Modehaus Peek & Cloppenburg mit dem schlechten Baugrund und aufsteigendem Grundwasser.

Dr. Karl Schumann kennt das Problem. Im Keller des gleichnamigen Lederhauses und in den Nachbarhäusern kriecht das Wasser regelmäßig die Wände hoch.

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Der Seniorchef des Lederfachgeschäfts Schumann weiß auch warum: Unter dem Königsplatz fließe die Drusel entlang. Dies zeige eine alte Bauzeichnung aus dem Jahr 1831, die ihm Architekt August Engel nach dem Bau seines Geschäftshauses am Königsplatz überlassen hatte. Engel habe damals zahlreiche Umbauten an dem nun abgerissenen Henschelhaus vorgenommen. In dem „Ausschnitt aus einem Plan der Stadt Cassel mit Angabe der Kanäle und Wasserleitungen“ ist der Weg des Druselwassers eingezeichnet. Es läuft unterirdisch durch die Kölnische Straße und dann quer über den Platz.

Die alte Hauptpost am Königplatz. An ihrer Stelle steht heute der City Point.

Auch aus anderer Quelle weiß der Senior, wie feucht der Baugrund am Königsplatz ist. Als er vor 60 Jahren mit dem Bau des Geschäftshauses auf dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Königsplatz begann, kam er mit einem alten Mann ins Gespräch. Dieser habe ihm erzählt, dass er als junger Maurer in den Jahren 1887 und 1888 am Bau des Scholl’schen Kaufhauses beteiligt war. Das stand einst vor der Garnisonkirche, dort, wo 1950 das Schumann’sche Haus entstand. Beim Bau hätten die Maurer oft bis zu den Knien im Wasser gestanden, habe der alte Mann berichtet. Damit sie nicht krank geworden seien, hätten sie viel Schnaps bekommen. Die Arbeiten am Fundament wären schwierig gewesen. Das Baumaterial sei mit Loren über ein Gleis vom Bahnhof durch die Kölnische Straße bis zur Baustelle transportiert worden.

Alles festgehalten: In einem dicken Buch hat Dr. Karl Schumann viele Stationen seines Lebens dokumentiert.

In welcher Tiefe die Maurer einst arbeiteten, konnte Schumann am eigenen Geschäftshaus nachvollziehen. Unter der Ladenetage liegen zwei große Kellergeschosse. Das untere hat zwei Meter dicke Wände und Gewölbedecken. Während des Zweiten Weltkriegs diente es als Luftschutzkeller für die Menschen, die in den Fachwerkhäusern der Umgebung wohnten. Doch der Keller konnte die Menschen nicht schützen. „Es gab Hunderte Tote, weil die Luftschleusen von dem Hausschutt zugeschüttet waren“, sagt der 90-Jährige.

Trotz der Probleme mit dem Boden steht das Geschäftshaus der Schumanns, das im Erdgeschoss drei Läden beherbergt, auf festem Grund. In die Kellermauern wurden Luftschleusen gegen die Feuchtigkeit eingebaut. Unter den Ladendecken liegen eisenbewehrte Betonbalken. So viel Vorsicht hat sich ausgezahlt. „Wir haben bis heute nicht den kleinsten Riss im Haus.“

Von Ellen Schwaab

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