Was war da los?

Im Schneckentempo vorbei an Schrebergärten: ICE nach Kassel auf Abwegen

Der Bahnstreik endete Sonntagmorgen, aber richtig rund lief es fortan nicht – zumindest nicht, was den Intercity-Express 1197 angeht.

Der Zug verließ am Sonntag um 16.30 Uhr den Berliner Hauptbahnhof in Richtung Kassel. Und wurde fehlgeleitet – oder anders ausgedrückt: Er verfuhr sich. Die ganze Geschichte:

Ursprünglich soll der Schnellzug wegen Bauarbeiten diesmal nicht über Hannover fahren. Das Problem: Nach 18 Uhr kommt der ICE dem Hauptbahnhof Hannover dann doch sehr nahe, eine Zugbegleiterin meldet sich über die Lautsprecheranlage: „Es gibt neue Informationen zu unserem Zug: Wir sind fehlgeleitet worden.“ Aufhorchen unter den Fahrgästen. Die Zugbegleiterin weiter: „Wir geben jetzt hier in Hannover die Türen frei, falls Sie ein Bedürfnis haben und kurz aussteigen möchten. Die Lokführerin wird am Bahnsteig entlang zum anderen Führerhaus laufen, um dann zurückzufahren.“ Als Grund für den Fauxpas wird ein Fehler der Fahrdienststelle genannt.

Der Zug aber hält – nicht. Er fährt immer weiter, und nach knapp fünf Minuten meldet sich die Zugbegleiterin wieder – mit leicht genervtem Ton: „Alles etwas durcheinander hier“, sagt sie. Und: „Ich weiß auch nicht mehr und kann auch nicht nachfragen, weil die Lokführerin im Gespräch ist.“

Derweil zuckelt der Schnellzug im Schneckentempo vorbei an idyllischen Schrebergärten. Wäre nicht das eine oder andere Haus zu sehen, läge die Vermutung nahe, dass der ICE jener oftmals besungene Zug nach Nirgendwo ist.

Die Zugbegleiterin meldet sich erst nach 15 Minuten wieder – kurz und knapp: „Es gibt neue Informationen zu unserer Fahrt. Wir werden Göttingen mit einer Verspätung von 20 Minuten erreichen.“ Nichts zum Wieso, weshalb, warum. Göttingen erreicht der Zug mit zehnminütiger, Kassel mit fünfminütiger Verspätung – was die Pointe ist: Ein Zug, der sich verfährt, hat weniger Verspätung als manch Zug, der nicht fehlgeleitet worden ist.

Eine Bahnsprecherin bestätigte am Montag den Vorgang. Der Fahrdienstleiter hätte wohl voreilig eine Weiche gestellt. Oft käme das nicht vor. Ansonsten: „Irren ist menschlich.“

Rubriklistenbild: © dpa

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