Messerstecherei nach Winterspaß: 26-Jähriger steht jetzt vor dem Amtsgericht

Schneeballschlacht endete blutig

Kassel. In der Hitliste der banalsten Auslöser für eine Messerstecherei dürfte das ziemlich weit oben rangieren: ein Schneeball. Vor gut einem Jahr, im Dezember 2010, war ein harmloser Winterspaß in der Fuldatalstraße blutig eskaliert.

Seit Freitag versucht das Kasseler Amtsgericht nun herauszufinden, was damals genau passiert ist. Doch die Sache gestaltet sich in etwa so mühsam wie eine Schlittenfahrt bergauf.

Dunkelgrauer Rolli, hellgraues Sakko, hochmütiger Gesichtsausdruck: Der Mann auf der Anklagebank, dem die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung vorwirft, wirkt nicht gerade wie jemand, der ausgelassene Schneeballschlachten veranstaltet. Doch an jenem Dezembertag, kurz vor Mitternacht, hatte sich der 26-jährige Gastwirt mit den letzten Besuchern seiner Bar ein kleines Winterscharmützel geliefert. Von einer Straßenseite zur anderen flogen die Schneebälle – und trafen dabei irgendwann auch ein vorbeifahrendes Auto. Scheinbar unbeabsichtigt. Gleichwohl beschlossen die drei Insassen des Wagens, die Verantwortlichen für den Schneeangriff zur Rede zu stellen.

Mit fatalen Folgen: Nur wenige Minuten später hatte einer von ihnen einen Stich im Bein, und ein Zweiter musste mit einer blutenden Bauchwunde ins Krankenhaus gebracht werden. So viel steht fest, alles Weitere aber ist heftig umstritten – auch wenn der Angeklagte selbst zu den Vorwürfen schweigt.

Laut Anklage soll er, nachdem er von dem 36 Jahre alten Fahrer des Autos zu Boden geschubst worden war, wutentbrannt ein 30 Zentimeter langes Messer aus seiner Bar geholt und zugestochen haben. Und das ist in etwa auch die Geschichte, die die drei Männer aus dem schneeballtouchierten Audi erzählen.

„Dass wir gewendet und angehalten haben, war unser einziger Fehler“, sagt der Fahrer. „Ganz nett“ habe man gefragt, was das mit dem Schneeballwurf sollte. Der Angeklagte aber sei sofort aggressiv geworden. „Der war böse auf uns, das war klar zu sehen.“

Seine beiden Mitfahrer berichten, zum Teil fast wörtlich, dasselbe.

Doch die Gegenseite ist sich nicht minder einig: Es war alles ganz anders. „Der Fahrer ist direkt auf den Angeklagten losgegangen“, sagt ein 20-jähriger Kneipengast und Beteiligter an der verhängnisvollen Schneeballschlacht. „Da war kein Erbarmen.“ Und: Er habe einen „glitzernden Gegenstand“ in der Hand eines der Widersacher des Angeklagten gesehen.

War es die Tatwaffe? Das weiß er nicht. Der Gastwirt jedenfalls habe kein Messer aus seiner Bar geholt. Sondern ein Handy – um die Polizei zu rufen. Stundenlang werden die Zeugen vernommen. Klarer aber wird dadurch nichts: Alle beharren stur auf ihren Versionen. Der Prozess wird fortgesetzt. (jft)

Rubriklistenbild: © dpa

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