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Schneesturm im Kasseler Kindergarten

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Von: Anna Lischper

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Eine Wichteltür hängt an der Wand im Kindergarten.
Wichteltür im Kindergarten: Der Trend, einen Wichtel bei sich einziehen zu lassen, kommt aus Skandinavien. © Anna Lischper

Es kann sein, dass Jakob und Medina morgens in ihre Kindergartengruppe kommen, und ein Schneesturm hat alles verwüstet. In ihre Kita ist ein Wichtel eingezogen. Der kleine Nisse treibt jede Nacht sein Unwesen in der Gruppe und hinterlässt den Kindern Briefe, in denen er immerhin erklärt, wie es zu dem Chaos kam.

Kassel - Erzieherin Anette Oppitz und ihre Kollegen bringen mit Nisses Einzug einen Trend in den Kindergartenalltag, der auch in vielen Familien gepflegt wird. Kurz vor dem ersten Dezember sind da an einer Stelle im Haus oder der Wohnung plötzlich Bauzäune aufgestellt, ein Bagger steht bereit, es liegt Dreck auf dem Boden. Am Morgen des ersten Dezembers dann ist – wie von Zauberhand – über Nacht eine Tür über der Fußleiste angebracht, daneben ein Briefkasten, eine Fußmatte und Dinge, die der Wichtel noch so mitgebracht haben könnte, um sich zu Hause zu fühlen.

Der Clou: Nisse selbst sieht man nie. Er ist ein Produkt der Fantasie. Die Kinder der Kita Kreuzkirche wissen dennoch einiges über ihn, weil er jeden Tag einen Brief hinterlässt. „Sein Vater ist der Oberwichtel, die Mutter ist die beste Köchin im ganzen Dorf. Er hat eine kleine Schwester, auf die er manchmal aufpasst“, sagt der fünfjährige Jakob. Und warum ist er ausgerechnet in eine Kita eingezogen? „Weil er Kinder mag und so gern bastelt“, sagt Medina (4). „Und er liebt Glitzer, weil das so funkelt“, sagt Jakob, dessen Gruppe im Haus auch die Glitzer-Gruppe genannt wird.

Gestern hat Nisse Kekse im Kindergarten hinterlassen – im Miniformat. Aufgeräumt hat er nicht: Eierschalen, Mehl und Backschüssel hat er stehen gelassen. „Der Morgen kam einfach zu früh, da ist er nicht mehr fertig geworden“, merkt Theo (4) an.

Ob der Wichtel Krümel und Nutella vom Frühstück hinterlassen hat, der Zaun mal wieder umgefahren wurde, „weil er immer aus Versehen den Rückwärtsgang einlegt“, ob die Schuhe der Kinder plötzlich alle versteckt sind oder ob im Gruppenraum Kunstschnee verteilt ist und der Mini-Schlitten noch auf der Fensterbank steht – der Einzug des Wichtels lässt in den Köpfen der Kinder Geschichten entstehen. „Wenn sie hier morgens etwas Neues entdecken, dann macht sich jedes Kind eigene Gedanken dazu“, sagt Erzieherin Anette Oppitz. „Es ist eine tolle Möglichkeit, um die Vorweihnachtszeit zu begleiten und Rituale zu verstehen.“ Das Spannendste an dem Wichtel-Einzug sei für die Kinder aber zu schauen: „Was hat er denn jetzt wieder angestellt? Kinder lieben die Streiche – ein Wichtel kann eben auch mal etwas tun, was man eigentlich nicht macht.“ 

Die Freude der Kinder über den Gast macht sich auch an ihren Geschenken bemerkbar: „Ganz am Anfang hatte Nisse sie mal aufgefordert, Bilder von sich zu malen, weil er sie ja nie zu Gesicht bekommt. Seitdem liegen ständig Bildchen vor seiner Haustür.“

Bis Heiligabend wird Wichtel Nisse noch in der Kita Kreuzkirche wohnen. „Dann fährt er mit seinem Auto woanders durch die Gegend“, ist sich Jade sicher.

Von Anna Lischper

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