Haft für 24-Jährigen, der einen Freund zwang, Handyverträge zu unterschreiben

Schnelle Rückkehr ins Gefängnis

Kassel. Wem sollte das Gericht glauben? Dem 21-Jährigen, der als Zeuge behauptet hatte, unter Androhung von Gewalt gezwungen worden zu sein, zwei Handyverträge zu unterschreiben? Oder dem 24-jährigen Angeklagten, der bis zum Schluss vor der 1. Strafkammer beteuerte, seinem ehemaligen Freund Geld dafür gegeben zu haben, dass er die Verträge abschließt? Das Landgericht folgte der Version des 21-Jährigen und verurteilte den Angeklagten jetzt zu zweieinhalb Jahren.

Der und sein gegenwärtig wegen einer anderen Sache in Haft sitzender Bekannter hatten den 21-Jährigen im Januar von zu Hause abgeholt und waren mit ihm in die Kasseler Innenstadt gefahren. Bis dahin decken sich noch die Aussagen. Doch dann gehen sie weit auseinander. Der 21-Jährige gab an, während der Fahrt im Auto sei er von seinem damaligen Freund und dem Mann am Lenkrad aufgefordert worden, mit ihnen in einen Handy-Laden zu fahren und dort einen Vertrag auf seinen Namen abzuschließen. Und falls er sich weigere, würde ihm Schlimmes passieren.

Es soll die Rede davon gewesen sein, ihm die Nase zu brechen oder die Zunge abzuschneiden. Eingeschüchtert sei er mit den beiden nicht nur in einen, sondern gar noch in einen weiteren Laden gegangen, habe dort Verträge unterschrieben und die Handys seinen Begleitern gegeben. Bis heute zahlt der 21-Jährige die Rechnungen für die von beiden Telefonen geführten Gespräche, inzwischen sei ein Schuldenberg von rund 2800 Euro aufgelaufen.

Hinweis auf Lüge

Der Vorsitzende Richter sah nach zwei Verhandlungstagen keinen Grund, an dieser Aussage zu zweifeln. Beim Angeklagten hingegen gebe es „an allen Stellen Hinweise und Nachweise, dass er gelogen hat“. Der hatte angegeben, dem 21-Jährigen 400 Euro gezahlt zu haben, dass er die Verträge unterschreibt. Bei der Polizei hatte er ausgesagt, dieses Geld von seinem Konto abgehoben zu haben, doch das existierte gar nicht. Vor Gericht erzählte er, seine Freundin habe ihm Geld gegeben.

Der Vorsitzende Richter fand es „absurd“, dass sich der 21-Jährige auf den Abschluss der beiden Verträge freiwillig eingelassen und dann auch noch die Gesprächsgebühren gezahlt haben soll. Wenige Wochen vor dem merkwürdigen Deal war der 24-jährige Angeklagte nach einer Jugendstrafe von über drei Jahren aus der Haft entlassen worden, er hatte wegen einschlägiger Taten, bei denen es laut Gericht ebenfalls um Handys ging, hinter Gittern gesessen und unter laufender Bewährung gestanden. „Eine extrem hohe Rückfallgeschwindigkeit“, fand der Richter. (pas)

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