Im Video: Nasenhöcker wird entfernt

Schön sein für Instagram: Andrang auf Schönheitskliniken auch in Kassel

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Nasenoperation: Die Ärztin zeichnet an, wo gleich das Skalpell angesetzt werden soll.

In Zeiten von Instagram und Snapchat, wo sich viel um die Optik dreht, nimmt der Andrang auf Schönheitskliniken zu. Denn: Für das echte Leben gibt es keine Filter, um besser auszusehen.

Zwar bietet die Plastische Chirurgie inzwischen reichlich Lösungen an, um die unterschiedlichen Anliegen medizinisch zu realisieren, doch sollten Chirurgen klare Grenzen ziehen, sagt Dr. Mehrnoosh Akhavanpoor, Oberärztin in der Noahklinik für Plastische Chirurgie in der Kasseler DRK-Klinik. An ihrem Sprechstundentag berät sie rund 30 Patienten. Vier bis fünf Operationen stehen an den übrigen Tagen auf dem Plan.

Wir haben die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie bei einer operativen Nasenkorrektur begleitet.

Frau Dr. Akhavanpoor, was sind die Motive für einen solchen Eingriff?

In diesem Fall erschwert eine schiefe Nasenscheidewand die Atmung der Patientin und gleichzeitig stört sie ein kleiner Höcker auf dem Nasenrücken, der nicht in das Gesamtbild der jungen Frau passt.

Kamen auch schon Menschen zu Ihnen, die sich durch optische Veränderungen neu erfinden wollten? Stichwort Selfinissmus und das Kreieren eines neuen Selbst, je nach Modetrend.

Tatsächlich wünschen sich manche Patienten schon die schmalen Nasen, Gesichter und Taillen, die die Fotofilter kreieren. Die sogenannten Selfinistas suchen geradezu nach Makeln und vergleichen sich mit retuschierten Bildern. Da müssen wir Chirurgen klare Grenzen setzen. Wir betreiben keine Lifestyle-Chirurgie. Auch bei der Ästhetischen Chirurgie handelt es sich schließlich um einen medizinischen Eingriff, der Risiken mit sich bringt. Wir nehmen uns daher bei der Beratung mindestens eine Stunde Zeit, um herauszufiltern, wie gesund die Vorstellung des Patienten und wie realistisch die Umsetzung ist.

Nimmt sich Zeit für die Beratung: Dr. Mehrnoosh Akhavanpoor bespricht mit der Patientin die Folgen der anstehenden Nasen-Operation. Je nach Schwierigkeitsgrad der OP liegen die Kosten zwischen 4000 und 6000 Euro.

Wie hoch ist das Suchtpotenzial bei plastischen Eingriffen? Kehren viele Patienten mit Folgeanliegen wieder?

Bei unserem Klientel hier in Kassel kann ich kein großes Suchtpotenzial oder ausgefallene Wünsche erkennen. Das mag in anderen Städten sicherlich anders sein. Hier sind es aber meist Kleinigkeiten wie Auffrischungen von Unterspritzungen, deren Wirkung nur eine bestimmte Zeit anhält. Hin und wieder kommt es auch vor, dass Patienten nach dem ersten erfolgreichen Eingriff noch mit anderen Anliegen zu uns kommen, aber eine richtige Sucht konnte ich bislang noch nicht oft beobachten.

Gab es schon Fälle, in denen die Patienten nach der operativen Veränderung Identitätsprobleme hatten?

Ja. Die gibt es. Dies sind dann aber nicht selten die Fälle, bei denen die Patienten eigentlich unter einer psychischen Erkrankung leiden und versuchen, durch operative Eingriffe ein neues Selbstbild nach ihren Wünschen zu kreieren. Da muss man als Chirurg sehr wachsam sein. Bei der Dysmorphophobie zum Beispiel ist die eigene Körperwahrnehmung so gestört, dass Menschen Teile ihres Körpers oder den gesamten Körper als hässlich oder entstellt wahrnehmen, auch wenn dem nicht so ist. Diese Erkrankung bleibt oft unerkannt. Dann werden sie ihren Wünschen entsprechend operiert, alles läuft bestens und trotzdem kann es passieren, dass die Patienten zwar zufrieden mit dem OP-Ergebnis sind, aber die neue Nase für sich als unpassend wahrnehmen und sich nicht damit anfreunden können.

Und was dann?

Man muss dem Patienten erklären, dass medizinisch alles korrekt und nach Wunsch verlaufen ist, dass aber wahrscheinlich eine Erkrankung vorliegt und psychologische Unterstützung zurate gezogen werden sollte. Verständnis, Einfühlungsvermögen und lange Gespräche sind sehr wichtig. Gemeinsam versuchen, die Frage zu beantworten, was man ändern könnte, damit es sich richtig anfühlt. Oft fällt dabei auf, dass das eigentliche Problem an anderer Stelle sitzt.

Wo sagen Sie Stopp – bis hierhin und nicht weiter?

Stopp sage ich beispielsweise, wenn sich eine junge Frau mit sehr schlanker Statur ein Doppel-D-Körbchen wünscht. Erstens ist dies operativ kaum möglich und zweitens würde dieser Eingriff der Patientin letztlich nicht guttun, da das Ergebnis anatomisch nicht korrekt wäre. Dies könnte ich nicht mit mir vereinbaren. Häufig zerplatzen so die Träume bereits im Beratungsgespräch, da sich Veränderungen, wie sie mit Bildbearbeitungen möglich sind, in der Wirklichkeit nicht umsetzen lassen. Dann muss ich den Patienten sagen: Ärzte sind keine Götter und Menschen bestehen nicht aus Ton. Zum Glück.

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