Reisezentrum am Bahnhof Wilhelmshöhe für 250 000 Euro modernisiert – Ein Warteraum fehlt immer noch

Schöne neue Reisewelt mit Defizit

Warten im Kalten: Nur noch im Quergang und an den Gleisen bietet der Bahnhof Sitzplätze für Wartende.

Kassel. Für eine Viertelmillion Euro hat die Deutsche Bahn das Reisezentrum im Bahnhof Wilhelmshöhe modernisiert: Es ist heller, übersichtlicher und behindertengerecht. Während die Reisenden ab sofort in angenehmer Atmosphäre Fahrkarten und Reiseinformationen bekommen, müssen sie Wartezeiten weiterhin unbequem verbringen. Nachdem der Wartesaal im Sommer 2008 einer McDonald’s-Filiale weichen musste, bleiben den Fahrgästen nur die Stahlbänke im Quergang und an den Gleisen.

Seit der Einweihung des Fernbahnhofes Wilhelmshöhe vor 20 Jahren hat sich im Reisezentrum nicht viel getan. Nun bekam es bei laufendem Betrieb nicht nur ein neues Design verpasst, sondern wurde auch klarer angeordnet: Im Eingangsbereich erhalten die Besucher an einer elektronischen Station eine fortlaufende Warte-Nummer. Für Fragen steht dort zeitweise auch ein Mitarbeiter bereit.

Am ersten Schalter, direkt am Eingang, informiert der Nordhessische Verkehrsverbund über seine Angebote und verkauft Fahrkarten. Gleich daneben kümmert sich ein Mitarbeiter um die 1.-Klasse-Bahnkunden.

Neben einer neuen Gestaltung wurde viel dafür getan, damit sich Reisende mit Behinderungen besser zurechtfinden: Ein taktiler Leitstreifen auf dem Boden weist Blinden den Weg, und drei rollstuhlgerechte Schalter lassen sich elektrisch in der Höhe verstellen. Für Hörbehinderte wurde ein Schalter mit einer induktiven Hörschleife ausgerüstet. Die Mitarbeiter sprechen an diesem Schalter in ein Mikrofon, und das gesprochene Wort wird über eine Frequenz direkt auf das Hörgerät des Reisenden übertragen.

Verbesserung für Behinderte

Helmut Ernst vom Behindertenbeirat der Stadt Kassel ist sehr zufrieden mit dem behindertengerechten Umbau des Reisezentrums. Allerdings gelte dies nicht für den restlichen Bahnhof. Dort gebe es keine taktilen Leitstreifen für Sehbehinderte, und die Rampen zu den Gleisen seien für Rollstuhlfahrer zu steil.

Ein Defizit macht auch Hermann Hoffmann, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn Nordhessen, aus. „Jetzt investiert die Bahn viel Geld in die Verschönerung ihres Reisezentrums, aber an einem Warteraum – der Reisenden wirklich hilft – wird gespart.“ In anderen Bahnhöfen gebe es ansprechende Wartebereiche. Auf einem Fernbahnhof sei es ein Unding, wenn so ein Angebot fehle.

Ein Wartesaal werde kaum benötigt, kontert Bahnsprecher Torsten Sälinger. Die Umstiegszeiten hätten sich so verkürzt, dass es keine längeren Aufenthalte mehr gebe. Sollten Fahrgäste doch auf einen verspäteten Zug warten müssen, biete der Bahnhof viele gastronomische Angebote.

Von Bastian Ludwig

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