Schöner wohnen im Dschungel

Kasseler Rucksacktourist wird in Mexiko zum Immobilienkönig

500 Mitarbeiter arbeiteten für Nico Wilmes: Luxuriöse Appartements in Tulum an der mexikanischen Karibikküste sind das Geschäft des Kasselers. Wegen Corona beschäftigt er mittlerweile nur noch 250 Menschen.
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500 Mitarbeiter arbeiteten für Nico Wilmes: Luxuriöse Appartements in Tulum an der mexikanischen Karibikküste sind das Geschäft des Kasselers. Wegen Corona beschäftigt er mittlerweile nur noch 250 Menschen.

Seit fast einem Jahrzehnt baut ein Mann aus dem Kreis Kassel in Tulum an der Karibikküste Luxushäuser. Ursprünglich kam Nico Wilmes als Rucksacktourist nach Mexiko. 

Tulum – Als Nico Wilmes wieder mal die Welt entdecken wollte, stellte ihn seine Freundin in Kassel vor die Wahl: die Reise oder ich. „Wenn du nach Mexiko fliegst, ist die Beziehung vorbei“, sagte sie zu ihm. Wilmes fuhr trotzdem, aus der Freundin wurde eine Ex-Freundin und aus dem Rucksacktouristen ein erfolgreicher Immobilienhändler. Seit fast einem Jahrzehnt baut der Mann aus Fuldabrück-Bergshausen in Tulum an der mexikanischen Karibikküste Luxushäuser. Mit seiner Firma Los Amigos Tulum hat der 41-Jährige mit dafür gesorgt, dass aus dem verschlafenen Fischerdorf im Dschungel eines der angesagtesten Reiseziele der Welt wurde.

Stars wie Leonardo DiCaprio und die Rolling Stones entspannen unweit der berühmten Maya-Ruinen. Wilmes hat zwölf große Projekte realisiert, unter anderem den Central Park Tulum mit 54 Luxus-Appartements inklusive Mega-Solarkraftwerk und einem klimaneutralen Fitnessstudio. Laut eigenen Angaben macht Los Amigos 34 Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Nico Wilmes aus dem Kreis Kassel: „Man muss bereit sein, alles hinter sich zu lassen“

Über das Ende seiner Beziehung damals und seinen ungewöhnlichen Weg sagt Wilmes: „Man muss bereit sein, alles hinter sich zu lassen. Nur so schafft man den Neuanfang.“ Wenn er redet, klingt er manchmal wie ein Motivationsguru, der Lebenshilfebücher schreibt. Tatsächlich hat er mit seinem Geschäftspartner, dem US-Amerikaner Marc Levy, bereits ein Buch veröffentlicht, das die Erfolgsgeschichte ihrer Firma erzählt. Der Titel: „Backpacking to the Moon“ (etwa: Als Rucksacktourist bis zum Mond). Beide haben sich beim Reisen in Guatemala kennengelernt.

In Nordhessen hatte Wilmes bereits mit 18 Jahren eine Verpackungsfirma gegründet. Im Urlaub in Australien lernte der ehemalige Friedrich-List-Schüler Subway kennen. Wenig später eröffnete er am Kasseler Stern eine Filiale der Schnellrestaurantkette. Glücklich wurde er als Unternehmer in seinem Heimatland jedoch nicht: „Ich fand Deutschland so schwerfällig.“

One-Way-Ticket nach Mexiko: Mann aus Kassel gründet Firma Los Amigos

Wilmes verkaufte seinen Subway-Laden und genoss die Freiheit, bis er sich ein One-Way-Flugticket nach Mexiko kaufte und seine Wohnung in der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel untervermietete. Er sagte sich: „Du kommst erst zurück, wenn du gescheitert bist oder etwas hinbekommen hast.“ Was das sein sollte, wusste er selbst nicht. Er hatte kein Geld und konnte nicht einmal Spanisch.

Ausgerechnet Ende 2012, als laut dem Maya-Kalender die Welt untergehen sollte, eröffnete Wilmes mit seinem Kumpel Levy in Tulum eine erste von ihnen geplante Ferienwohnung. Sie waren genau zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Damals waren die Preise niedrig. Wenig später begann der Boom, der Los Amigos groß machte. Zwölf Projekte hat die Firma bislang realisiert. Im Portfolio findet man kleinere Ferienwohnungen sowie Luxus-Appartements, die von Wohlhabenden gekauft werden, um sie etwa bei der Vermittlungsplattform Airbnb zu vermieten.

Visionär: Los Amigos Tulum, die Firma von Nico Wilmes, setzt laut eigenen Angaben auf nachhaltige Energien wie Solarkraft. Auch die Personendrohne, in der Wilmes zur Probe sitzt, soll von der Sonne angetrieben werden.

Mann aus Kassel baut Luxuswohnungen in Mexiko

Auch wegen Los Amigos wächst das einstige Dorf im Dschungel, in das sich früher nur einige Hippies verirrten, immer weiter. Derzeit leben hier 33.000 Menschen. Kann das gut sein? In Berichten über die Folgen der Gentrifizierung ist von Wellblechhütten am Rand des Ortes, Junkies und Verelendung die Rede. Wilmes sagt: „Das Beste wäre, wenn keiner hier bauen würde.“ Aber wenn man es doch tut, so seine Botschaft, dann sollte es nachhaltig sein.

Los Amigos setzen in ihren Immobilien nicht nur auf Solarkraft und viel Grün, sondern auch auf eigene Klärwerke, die in Mexiko nicht zum Standard gehören, wie Wilmes sagt: „Wir leisten einen positiven Impact für ein nachhaltiges Mexiko.“ Gerade ist er Vertriebspartner des chinesischen Drohnenherstellers Ehang geworden. Mit den Fluggeräten sollen schon in naher Zukunft Menschen über den Dschungel transportiert werden. Angetrieben werden sie von Solarkraft. Wilmes selbst fährt schon seit zehn Jahren nur noch Elektroautos – auch wenn er seine Familie und Freunde in Deutschland besucht.

Eine Rückkehr in die alte Heimat kann er sich nicht so recht vorstellen. Er weiß auch nicht, wie sich sein Unternehmerleben mit Frau und Kindern vereinbaren ließe. Darum ist er Single. Und er ist Mister Millennium. Den Titel gewann der Hobby-Bodybuilder zur Jahrtausendwende in Essen. „Den Titel kann mir in den nächsten 1000 Jahren keiner nehmen“, scherzt Wilmes. (Matthias Lohr)

Ein Ehepaar aus dem Kreis Kassel hat eine eigene Kosmetiklinie gestartet. Traditionelle Behandlungen aus Mexiko und anderen Ländern haben die Kosmetiklinie inspiriert.

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