Tag der Architektur öffnete Türen für Besucher – Fünf Objekte in Kassel vorgestellt

Schönes aus Glas und Stein

Was zur Straßenseite hin wie ein schwerer Monolith wirkt, zeigt in Richtung Pausenhof seine gläserne Seite. Der 2011 fertiggestellte Anbau der Walter-Hecker-Schule an der Sickingenstraße besticht vor allem durch seine schlichte Ästhetik. Foto: Schachtschneider

Kassel. Wie ein zur Seite gekippter Monolith liegt der neue Anbau der Walter-Hecker-Schule an der Sickingenstraße. Die dunkelgraue Fassade grenzt das Schulgeschehen im Inneren des Gebäudes von der Straße hermetisch ab. Im Gegensatz dazu ist die zum Hof hingewandte Seite völlig transparent. Eine Wand aus Glas gibt den Blick in Klassenräume und Werkstätten frei.

Stefan Krahl, Chef des Kasseler Architekturbüros Krahl Architekten, ist von seinem Fassadenkonzept überzeugt. Zum Tag der Architektur am vergangenen Wochenende präsentierte er gut 20 Besuchern den im Jahr 2011 fertiggestellten und 4,5 Millionen Euro teuren Anbau.

Krahl ging ins Detail. Im Inneren setzt sich die schlichte Ästhetik des Gebäudes fort, es dominieren Materialien, mit denen die Schüler auch arbeiten – Holz, Stein, Farbe. Alles wirkt modern und frisch, eine Formgebung, die noch in vielen Jahren ihre Wirkung haben wird, ist sich Krahl sicher.

Aber es gibt auch Kritik. Die Klimatisierung funktioniert nicht, weil die Stadt aus Sicherheitsgründen Vorgaben macht, die das Lüftungssystem auf den Kopf stellen. So dürfen Fenster nachts und über die Wochenenden nicht geöffnet werden, obwohl das erforderlich wäre. Eine architektonische Idee kollidiert hier mit Lebensrealität. Aber auch das gehört zum Tag der Architektur: der Austausch.

So wie die Berufsschule an der Sickingenstraße wurden am Samstag und Sonntag weitere Objekte in Kassel und im Landkreis vorgestellt. Mit dabei die neuen Kreißsäle der Klinik Dr. Koch in Bettenhausen, die Sanierung der Lichtenbergschule in Oberzwehren, die Neuordnung des Innenraums der St.-Heinrich-Kirche in Kaufungen und die Instandsetzung der Außenanlagen an der Löwenburg.

Nicht alles davon ist so groß geraten wie der Neubau an der Sickingenstraße. Doch auch im Kleineren ist zu erkennen, was für ein Ziel der „Tag der Architektur“ verfolgt – es geht um die Würdigung einer Baukultur, die viel mit ästhetischer, technischer, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Bauqualität zu tun hat.

Wohnhaus saniert

So auch bei der Sanierung des Wohnhauses an der Menzelstraße 22. Im Besitz der Vereinigten Wohnstätten 1889 wurde das Gebäude seniorengerecht nahezu barrierefrei saniert – womit allein schon die soziale Komponente erfüllt wird.

„Weiterhin haben wir Balkone an die Fassade gebaut, die den massiven Charakter der historischen Umgebung modern interpretieren“, sagt Architekt Alexander Reichel, Chef des Kasseler Büros Reichel Architekten. Zudem sei auf eine Fassadenisolierung verzichtet worden. „Der alte Putz ist so gut, dass es ökonomisch und ökologisch nicht gepasst hätte, ihn abzuschlagen“, sagt Reichel. Mit wenig viel erreichen, lautet seine Devise. Wohl auch deshalb hat die Architektenkammer Hessen sein Projekt ausgewählt.

Von Boris Naumann

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