Abriss an Schönfelder Straße

Kritik: Haus aus 19. Jahrhundert war ein Denkmal

Inzwischen komplett abgerissen: Das Haus an der Schönfelder Straße/Ecke Wehlheider Straße stand unter Denkmalschutz. Weil sich kein Käufer fand, wurde es zum Abbruch freigegeben. Foto: Schachtschneider

Wehlheiden. Das Eckhaus an der Schönfelder Straße/Wehlheider Straße, das kürzlich für eine Erweiterung der benachbarten Esso-Tankstelle abgerissen wurde, stand unter Denkmalschutz.

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„Dieses Haus aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eines der letzten seiner Art“, sagt der Kasseler Historiker Christian Presche vom Kasseler Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt. Das spätklassizistische, verputzte Fachwerkhaus sei typisch für die Landstraßen um Kassel und in den damaligen Dörfern Wehlheiden und Wahlershausen. Presche kritisiert, dass wieder einmal ein Baudenkmal wirtschaftlichen Privatinteressen geopfert worden seien.

Wie berichtet, hatte der Esso-Konzern das 150 Quadratmeter große Grundstück mit dem Ziel erworben, das alte Haus abzureißen, um für Abstellflächen für die Tankstelle mit zugehöriger Werkstatt zu schaffen. Der private Eigentümer des Hauses, das um 1900 eine Gastwirtschaft beherbergte und später als Wohnhaus genutzt wurde, habe 2009 einen Abbruchantrag gestellt, berichtet Heinz Kefenbaum von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Kassel. Ein Gutachten habe ergeben, dass eine Sanierung des Gebäudes unwirtschaftlich, also für den Eigentümer nicht finanzierbar sei.

Spätklassizistisches verputztes Fachwerkhaus: Das im 19. Jahrhundert erbaute Haus an der Schönfelder Straße ist für die damalige Zeit typisch. Nur noch wenige solcher Häuser sind in Kassel erhalten.

Dennoch habe man einem Abbruch zunächst nicht zugestimmt und stattdessen vereinbart, das denkmalgeschützte Haus ein Jahr lang über ein Immobilienbüro sowie die Städtische Denkmalbehörde und das Landesamt für Denkmalpflege zum Verkauf anzubieten. Für den Kaufpreis von 40 000 Euro (das entspricht dem Grundstückswert abzüglich der Abrisskosten) habe man das Haus innerhalb von anderthalb Jahren nicht verkaufen können, sagt Kefenbaum. Daher sei dem Abbruch im März zugestimmt worden. „Wenn die wirtschaftliche Zumutbarkeit nicht gegeben ist, müssen wir dem Abbruch zustimmen – sonst müssten wir selbst etwas dazugeben“, sagt Kefenbaum.

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Das Haus sei in einem schlechten Zustand gewesen, unter anderem sei Feuchtigkeit ins Innere gedrungen, der Putz von den Wänden gefallen und das Dach schon geflickt gewesen, schildert Heinz Kefenbaum. Eine Instandsetzung allein zum Erhalt des Denkmals - also ohne Wärmedämmung oder ähnliches für eine Bewohnbarkeit - hätte 113 000 Euro gekostet. „Man hätte aus dem Haus was machen können“, sagt Kefenbaum und verweist auf das Duck-Dich-Gebäude an der Wilhelmshöher Allee, das zum selben Haustypus gehöre. „Aber dafür muss man viel Geld bewegen“.

Presche kritisiert, dass das Haus so weit herunterkommen konnte und fordert einen besseren „präventiven Denkmalschutz“. Auch Privateigentümer müssten in die Pflicht genommen werden, ihre Gebäude nicht verfallen zu lassen.

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