Farbe blättert ab – Das barocke Schloss an der Karlsaue wird vor der documenta nicht mehr aufpoliert

Schönheit der Orangerie verblasst

Kassel. Bei strahlend blauem Himmel ist der Anblick der sonnengelben Orangerie besonders eindrucksvoll. Bei näherem Hinsehen aber verblasst die Schönheit des barocken Schlosses an vielen Stellen:

Bröselnder Kitt an den alten Holzfenstern, abblätternde Farbe, verwitterte Sockel, Putten und Ballustraden sind mit Patina bedeckt. Auch documenta-Besuchern wird sich dieser Anblick bieten. Denn vor der Welt-Kunstausstellung, die am 9. Juni beginnt, wird die Orangerie nicht mehr aufpoliert. Die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) sieht „keinen akuten Handlungsbedarf“.

Ausgebessert: Die Reliefs wurden erneuert, daneben bröckelt die Fassadenfarbe.

Das Gebäude sei technisch in einem guten Zustand, sagte Dr. Micha Röhring, Planungsbeauftragter des Projekts Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), auf Anfrage der HNA. Außerhalb der normalen Planung für den regelmäßigen Bauunterhalt seien keine außergewöhnlichen Arbeiten an der Orangerie vorgesehen. Erst vor Kurzem seien die Reliefs an der Südseite des Schlösschens bearbeitet worden. Eventuell würden an den Holzfenstern - falls nötig - die Wetterschenkel (die Tropfleisten an den Fensterrahmen) ausgetauscht.

Natürlich könne man immer etwas machen, sagt Röhring, „doch dazu reichen die Bauunterhaltungsmittel eigentlich nicht aus“. Diese Probleme habe die öffentliche Hand ja schließlich überall.

Einem historischen Gebäude dürfe man sein Alter aber durchaus auch ansehen, sagt der Fachmann. „Es soll nicht aussehen wie ein Neubau.“ Auch müssten die Balustraden und Putten (bei diesen handelt es sich übrigens um Nachbildungen) nicht marmorweiß erstrahlen. Hier haben die Jahre und die Witterung ihre Spuren hinterlassen.

Besonders ins Auge fällt dies am östlichen Nebengebäude, dem sogenannten Küchenpavillon. Von der Sonnenterrasse des Gastronomiebetriebs fällt hier der Blick auf abgeblätterte Fassaden, verwitterte Sockel und einen vernachlässigten Eingang.

Kein schöner Anblick: Der Küchenpavillon könnte einen neuen Anstrich vertragen. Am rechten Bildrand ist das gegenüberliegende Marmorbad zu sehen.

Am Marmorbad, dem gegenüberliegenden Pavillon, haben zudem Menschen ihre Spuren in Form von Graffiti hinterlassen. Immerhin waren an den vergangenen Tagen fleißige Mitarbeiter der MHK dabei, Terrasse, Treppen, Wege und Rasenflächen zu reinigen. Vielleicht stechen dem einen oder anderem dabei auch noch Disteln und andere Unkrautgewächse ins Auge, die sich an manchen Mauerstellen und auch gleich neben dem Eingang zum Astronomisch-Physikalischen Kabinett sowie dem Planetarium breit gemacht haben. Archivfoto:  Herzog

Rubriklistenbild: © Fotos:  Heise-Thonicke

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