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Tempo 30: Blitzer erwischt 9000 Fahrzeuge im Steinweg - Autofahrer sauer

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Von: Bastian Ludwig

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Nach ihrer Fahrt über den Steinweg in Kassel erhielten zuletzt 9000 Menschen Post von der Bußgeldstelle. Dort gilt seit Beginn der documenta streckenweise Tempo 30.

Kassel - Begründet wird die temporäre Tempo-30-Beschränkung mit dem erhöhten Fußgängeraufkommen zur Weltkunstschau. Allein seit Ende Juni wurden 9000 Autofahrer – das waren im Schnitt 180 pro Tag – geblitzt, die zu schnell unterwegs waren. Einer von ihnen ist HNA-Leser Temmo Dittmer aus Fuldatal, der Kritik an den Abschnitten übt, in denen Tempo 30 gilt.

Dittmer war kürzlich mit Tempo 37 geblitzt worden, als er stadtauswärts in Richtung Altmarkt auf dem Steinweg unterwegs war. Er soll 30 Euro bezahlen, erwägt nun aber einen Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid.

Sorgt für Ärger: Der Blitzer am Steinweg ist zur documenta auch stadtauswärts – hinter dem stark frequentierten Überweg – auf Tempo 30 eingestellt. Die Stadt begründet dies mit der temporären documenta-Haltestelle.
Sorgt für Ärger: Der Blitzer am Steinweg ist zur documenta auch stadtauswärts – hinter dem stark frequentierten Überweg – auf Tempo 30 eingestellt. Die Stadt begründet dies mit der temporären documenta-Haltestelle. © Bastian Ludwig

Tempolimit während documenta auf Steinweg in Kassel: „Kriminalisierung der Autofahrer“

Grundsätzlich hält Dittmer das zur documenta eingerichtete Tempolimit aus Sicherheitsgründen zwar für gerechtfertigt. Aber eben nicht für den Bereich, in dem der Blitzer den stadtauswärtigen Verkehr überwacht. Weil der Blitzer deutlich hinter dem aktuell stark frequentierten Fußgängerüberweg stehe, gebe es keinen Grund, den Blitzer auf Tempo 30 einzustellen.

„In dem Abschnitt zwischen Naturkundemuseum und Einmündung Du-Ry-Straße sind meines Erachtens nicht mehr Menschen auf dem Bürgersteig unterwegs als sonst. Da schafft die Stadt ohne nachvollziehbare Begründung eine Kriminalisierung der Autofahrer“, sagt Dittmer. Anders sei es bei dem Blitzer, der den stadteinwärtigen Verkehr in Richtung Friedrichsplatz erfasse. Da seien Tempo 30 und eine entsprechende Überwachung richtig.

Zum Schutz der Fußgänger Tempo 30: Vor allem am Friedrichsplatz queren viele documenta-Besucher.
Zum Schutz der Fußgänger Tempo 30: Vor allem am Friedrichsplatz queren viele documenta-Besucher. © Bastian Ludwig

Tempo 30 auf Kasseler Steinweg: Höchster Verstoß liegt nach Abzug der Toleranz bei 69 km/h

Ein Sprecher der Stadt verweist darauf, dass das Tempolimit eine gemeinsame Entscheidung von Straßenverkehrsbehörde, Ordnungsamt und Landespolizei gewesen sei. Der Steinweg werde zur d15 großflächig von Fußgängern – insbesondere auch ortsfremden – als Querungsmöglichkeit genutzt. Die Besucherströme variierten je nach Programm der Weltkunstschau und würden oft auch bis spät in die Nacht andauern. Eine tageszeitliche Begrenzung des Tempolimits sei deshalb nicht vorgesehen.

Die Fortführung des Tempolimits auf den stadtauswärtigen Spuren vom Naturkundemuseum bis in Höhe der Einmündung Du-Ry-Straße begründet der Sprecher mit der temporären Bushaltestelle für den documenta-Bus, die sich auf der rechten Spur des Steinwegs in Höhe des Museums befindet. Damit sich die Autofahrer auf die neue Situation einstellen konnten, seien die Blitzer zudem erst zwei Wochen nach Start der documenta auf das neue Tempolimit eingestellt worden. Der bislang höchste Tempoverstoß habe nach Abzug der Toleranz bei 69 km/h gelegen. (Bastian Ludwig)

Blitzer in sehr kurzen, verkehrsberuhigten Zonen sollen einen Mindestabstand von 100 Metern zum Verkehrsschild wahren. Die Stadt Kassel sieht das anders und beruft sich bei ihren Blitzern in 30er-Zonen auf eine Ausnahmeregelung. Ein Experte bezeichnet die Vorgehensweise der Stadt dagegen als Abzocke.

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