Im Krieg wurde die dortige Tankstelle auch zerstört

Rastanlage Kassel-West soll bis nächste Woche abgerissen sein

Getroffen: Im März 1945 wurde die Tankstelle an der A7, auf deren Grundstück heute die Rastanlage Kassel-West steht, von einer amerikanischen Fliegerbombe zerstört. Dieses Foto schoss im Juli 1945 ein amerikanischer Luftwaffenoffizier. Das Foto ist in Blickrichtung Süden aufgenommen worden - rechts liegt Bergshausen, links Lohfelden.

Kassel. Bis nächste Woche soll von der Rastanlage Kassel-West an der A7 nur noch ein Schuttberg übrig sein. Das Gebäude wird abgerissen, weil auf der anderen Autobahnseite der Rasthof Kassel-Ost erweitert wird und zukünftig aus beiden Fahrtrichtungen angefahren werden kann.

Bereits 1945 war an gleicher Stelle schon einmal nur noch ein Schuttberg zu sehen: Damals war die dortige Tankstelle von einer amerikanischen Fliegerbombe getroffen worden.

Die Geschichte der alten Tankstelle begann 1937, als der Autobahnabschnitt zwischen Kassel und Homberg eingeweiht wurde. Weil es keine Mittelleitplanken gab und die Autos die Autobahnseite noch problemlos wechseln konnten, wurde nur auf einer Seite eine Tankstelle errichtet.

Getroffen: Im März 1945 wurde die Tankstelle an der A7, auf deren Grundstück heute die Rastanlage Kassel-West steht, von einer amerikanischen Fliegerbombe zerstört. Dieses Foto schoss im Juli 1945 ein amerikanischer Luftwaffenoffizier. Das Foto ist in Blickrichtung Süden aufgenommen worden - rechts liegt Bergshausen, links Lohfelden.

Mitte März 1945 wurde die Tankstelle bei einem Bombenangriff völlig zerstört. Im Juli 1945 schoss ein amerikanischer Luftwaffenoffizier das Foto der zerstörten Anlage. Später übergab dieser etliche Kriegsbilder aus Kassel an Rudi Rau aus dem Stadtteil Forstfeld. Sein Sohn Robert erinnert sich: „Mein Vater und dieser Offizier der United Airforce hatten sich damals angefreundet.“ Sein Vater habe nach dem Krieg mehrere Jahre für die Amerikaner gearbeitet, zum Schluss sei er Manager des Offiziersclubs im US-Stützpunkt Rothwesten gewesen. Aus Erzählungen weiß der Sohn noch einiges über die letzten Kriegstage an der A7 zu berichten. Am Autobahnwall sei der Vormarsch der Alliierten ins Stocken geraten. Wegen Gerüchten über einen deutschen Gegenangriff hätten sie sich eine Weile dahinter verschanzt. Der Gegenangriff blieb aus, und die Amerikaner rückten nach Kassel ein.

1945: Das Bild entstand auf der A7 in Fahrtrichtung Norden. Links hinter der Autobahnbrücke, die Lohfelden und Bergshausen verbindet, ist die frühere Tankstelle zu sehen, wo heute die Rastanlage Kassel-West steht. Im Spiegel ist der Fahrer zu erkennen.

Mitte der 50er-Jahre baute die bundeseigene Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen (GfN) auf dem Gelände der früheren Tankstelle die Rastanlage Kassel-West. Kurz zuvor war die Rastanlage Kassel-Ost auf der gegenüberliegenden Autobahnseite entstanden. Nach einer Erweiterung in den 60er-Jahren wurde der Bau nicht mehr verändert. 1994 wurde die GfN in „Tank & Rast“ umgewandelt, die 1998 privatisiert wurde.

Von Bastian Ludwig

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