Wasser weiter abkochen

Nach Keim-Befall: Städtische Werke chloren das Trinkwasser

Kassel. Seit Mittwochabend chloren die Städtischen Werke Teile des Wassernetzes. Das wurde jetzt bekannt. Trotz der chemischen Reinigung sollte das Wasser weiter abgekocht werden.

Am Wasserwerk Tränkeweg würden 0,25 Milligramm Chlor pro Liter eingebracht, so Pijanka. Ziel sei, dass danach der Wert im kompletten Netz 0,1 Milligramm Chlor pro Liter nachgewiesen werden kann, was vermutlich Anfang der Woche soweit sei. Dann sei die Reinigung auch erfolgreich. Zu merken sei das Chlor vermutlich kaum. Quellwasser werde nämlich grundsätzlich gechlort, allerdings in geringerer Dosierung.

Unklar bleibe, wie die Keime in das Netz gelangt seien, sagte Pijanka. Die Ursachenforschung geht weiter. Er betonte, dass Bakterien immer „im Mikrofilm des natürlichen Lebensmittels Wasser“ enthalten seien.

Die ersten Keime wurden im Rot-Kreuz-Krankenhaus (RKH) bei hausinternen Proben am Freitag festgestellt. Bestätigt wurde das durch Laborergebnisse, die am Montag vorlagen und ans Gesundheitsamt gemeldet wurden, berichtete RKH-Geschäftsführerin Elisabeth Deterding. Daraufhin habe die Behörde ein Abkochgebot für das RKH ausgesprochen, sagte Petra Bohnenkamp, Sprecherin der Stadt Kassel. Zunächst sei nicht erkennbar gewesen, woher die Keime stammten. Inzwischen seien Proben ausgewertet, die die Städtischen Werke in Versorgungsleitungen in der Nähe des RKH gezogen hatten. „Tatsächlich wurden hier zwar coliforme Bakterien, aber keine E. coli nachgewiesen“, so Bohnenkamp.

Bei weiteren Proben stellten die Städtischen Werke am Dienstag fest, dass eine Leitung zwischen den Hochbehältern Dönche und Bergstraße (Brasselsberg) betroffen gewesen sei. Daraufhin sprach das Gesundheitsamt unverzüglich ein Abkochgebot aus, das am Mittwoch noch einmal auf drei weitere Stadtteile erweitert wurde.

Service: Wasser abkochen und abkühlen lassen

Um eventuelle Keime im Wasser sicher abzutöten, rät das Gesundheitsamt, Trinkwasser einmal sprudelnd abzukochen und langsam über mindestens zehn Minuten abkühlen zu lassen.

• Diese Abkochgebot betrifft Trinkwasser, das zum Trinken, Waschen und Zubereiten von Obst und Gemüse, für Getränke, andere ungekochte Lebensmittel, Eiswürfel und zum Zähneputzen verwendet wird.

• Da die meisten Kaffeemaschinen das Wasser nicht aufkochen, sollten betroffene Haushalte nur vorher abgekochtes Wasser beziehungsweise Mineralwasser aus Flaschen fürs Kaffeekochen verwenden.

• Beim Zubereiten von Tee sollte es ausreichen, das Wasser wie gewohnt sprudelnd aufkochen zu lassen und das Aufgussgetränk langsam abkühlen zu lassen, bis es Trinktemperatur erreicht hat.

• Spüllappen und -schwämme in der Küche sollten ohnehin in kurzen Abständen ausgetauscht beziehungsweise bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Betroffene Haushalte sollten diese Utensilien zur Sicherheit aktuell erneuern.

• Da Zahnbürsten in der Regel zwischen den Zahnputzzeiten abtrocknen, sei ein Austausch in der Regel nicht notwendig, erläutert Thurid Marten, Sachgebietsleiterin des Gesundheitsamtes.

• Beim Duschen, Händewaschen und dem Toilettengang bestehe nur ein sehr geringes Risiko. Offene Wunden aber sollten vorsichtshalber mit wasserfesten Pflastern vor dem Kontakt mit Wasser geschützt werden. (hei)

Rubriklistenbild: © dpa

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