Agrarwissenschaftler testen für europaweites Projekt schonende Anbaumethoden

Schongang für den Acker

Testen im Freiland: Beim Entnehmen von Bodenproben auf der Domäne Frankenhausen sind auf unserem Bild Doktorandin Meike Grosse, technischer Mitarbeiter Hanns Schulz und hinten die Studenten David Kottis und Ingmar Kuckelmann zu sehen. Foto: Thiele

Witzenhausen / Frankenhausen. Der Kampf gegen das Unkraut ist nicht nur eine Aufgabe für Hobbygärtner. Für Dr. Thorsten Haase, Agrarwissenschaftler der Universität Kassel, und seine Kollegen ist er Berufsalltag.

Sie wollen herausfinden, wie die Fruchtbarkeit von Ackerboden verbessert und die Ausbreitung von Unkraut kostengünstig eingedämmt werden kann – ohne Pflug, Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger.

Stattdessen setzt das Team vom Fachgebiet Ökologischer Land- und Pflanzenbau in Witzenhausen auf Pflanzen, die als natürlicher Gründünger in den Acker eingearbeitet werden, und auf eine schonende Bodenbearbeitung. Hier bahnt sich ein Umbruch an: Die Forscher wollen weg vom Pflug, weil das traditionelle Gerät langfristig den Boden verdichtet und Erosion begünstigt. „Das Bodenleben wird durch den Pflug gestört“, erläutert Haase, „der Boden wird komplett umgedreht.“

Thorsten Haase

Doch die Abkehr ist nicht leicht: Der Pflug ist das einzig wirksame Mittel gegen Unkraut, wenn man kein Pflanzenschutzmittel einsetzen will. „Mit dem Pflug begräbt man das Unkraut lebendig“, sagt Haase. Daher ist der Pflug im Öko-Landbau noch weit verbreitet. Konventionelle Landwirte nutzen bereits oft den Grubber, ein Gerät, das den Boden lockert, ohne ihn zu wenden.

Eine gute Sauerstoffversorgung und eine lockere oberste Schicht sind wichtig für einen gesunden Boden, erklärt Haase. In dieser sogenannten Ackerkrume tummeln sich im Idealfall viele Mikroorganismen, Tiere und Pilze. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen und mineralisieren den darin enthaltenen Stickstoff. In mineralischer Form ist er der wichtigste Nährstoff der Pflanzen.

Das Uni-Projekt untersucht nun, wie sich die Kombination von Gründünger und Bearbeitungsmethode auswirkt. Haase will Ertrag und Verlust erstmals messbar machen: „Eine zentrale Frage ist: Wie gut wächst der Hafer – und wie gut das Unkraut?“

Nach einer Vorbereitung mit Pflug, Grubber oder nach direkter Saat testen die Forscher auf den Versuchsfeldern der Staatsdomäne Frankenhausen (Kreis Kassel) und auf einem Biobetrieb bei Osnabrück bis zu sieben Gründüngerpflanzen. Noch ist nicht klar, aus welcher die Mikroorganismen die Nährstoffe optimal umsetzen können. Vielversprechend seien Perserklee und Sommerwicke, die Stickstoff aus der Luft binden können, erklärt Haase. Mit Blick auf Wirtschaftlichkeit setzt er auch Hoffnung auf den Ölrettich: „Die Saat ist billig, die Pflanze wächst schnell und produziert viel Biomasse.“

Ist das Verhältnis von Ertrag und Unkraut akzeptabel, könnte sich die Methode laut Haase sogar positiv auf das Klima auswirken. In der Landwirtschaft könnte so Mineraldünger gespart werden, dessen Produktion CO2-intensiv ist. Auf jedem Feld werden die Forschungsergebnisse wohl nicht einsetzbar sein, fürchtet Haase. „Man könnte sie aber auf Standorte mit ähnlichem Boden und Klima übertragen.“ HINTERGRUND RECHTS

Von Friederike Szamborzki

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