Kasseler Rentner kritisiert: Abzocke

Schornsteinfeger: Kritik an Gebühren - 2013 fällt Monopol weg

Kassel. Richard Düthorn (73) platzte beim Lesen seiner jüngsten Schornsteinfeger-Rechnung fast der Kragen. 95,31 Euro soll der Hauseigentümer aus Harleshausen demnach bezahlen. Darin enthalten sind folgende Leistungen.

Grundgebühr, Schornsteinreinigung, Abgasleitung- und -wege-Überprüfung, Gashausschau sowie die Ausstellung eines Feuerstättenbescheids. Insbesondere die Posten „Ausstellung eines Bescheids“ (12,02 Euro) und „Gashausschau“ (19,84 Euro) empfindet Düthorn, der unter anderem als Diplom-Finanzwirt beim Zoll gearbeitet hat, als „dreiste Abzocke“.

Das Aushändigen einer Auflistung der Bestimmungen für die regelmäßigen Überprüfungsarbeiten des Schornsteinfegers als „Leistung“ zu bezeichnen, sei „schlichtweg unzulässig“, sagt Düthorn. Er hat Widerspruch gegen die Rechnung eingelegt.

Auch für die neue und „nicht nachvollziehbare“ Leistung Gashausschau will er „vorläufig unter Vorbehalt einer adäquaten Neubewertung“ seiner Rechnung nichts zahlen. Für die sogenannte Gashausschau, so erzählt er, habe der Schornsteinfeger kurz ein Messgerät an die Gasuhr gehalten. „Was will der denn gemessen haben?“, fragt Düthorn. Er lasse sich aus Prinzip nichts vormachen und lese auch das Kleingedruckte, sagt er: „Bei mir muss immer alles korrekt sein.“

Seine Rechnungen für Schornsteinfeger-Leistungen vergleicht Düthorn seit 2004. Damals hatte der Hauseigentümer im Jahr 21,02 Euro bezahlt. Kontinuierlich seien die Gebühren seitdem gestiegen: um 12 Prozent beispielsweise im Jahr 2010. Da zahlte Düthorn, der eine nagelneue, sparsame und nahezu abgasneutrale Gas-Brennwertheizung im Keller stehen hat, 63,45 Euro an den Schornsteinfeger.

Allein die Grundgebühr war im Vergleich zum Vorjahr von 14,43 Euro auf 29,39 Euro gestiegen. Seit 2010 sind Düthorns Schornsteinfeger-Kosten um 33,43 Prozent auf jetzt 95,31 Euro gestiegen. Der Rentner kritisiert eine zunehmende Bürokratisierung. Was da auf drei Seiten Feuerstättenbescheid geschrieben steht, verstehe ohnehin kaum jemand, vermutet er: „Das wird ausgenutzt.“

Bald kann frei gewählt werden

Das Monopol der Bezirksschornsteinfeger fällt im Januar 2013 weg

Im Januar 2013 fällt das Monopol der Bezirksschornsteinfeger: Hauseigentümer können sich dann aussuchen, wen sie mit dem Kehren des Kamins und der Immissionsschutzmessung beauftragen. In anderen Ländern der EU ist das bereits seit 2008 möglich. „Die Verantwortung liegt künftig bei den Hauseigentümern“, sagt Karl-Heinz Hupfeld, Obermeister der Schornsteinfegerinnung Kassel. Er geht davon aus, dass viele Kunden einfach bei ihrem vertrauten Schornsteinfeger bleiben. „Höchstens zwei oder drei Prozent werden wechseln“, vermutet er. Für die Hauseigentümer werde sich nicht viel ändern.

„Der Bezirksschornsteinfeger stellt bis zum Jahresende für jedes Haus sogenannte Feuerstättenbescheide aus.“ Darauf steht, welche Anlagen im Haus vorhanden sind und was gemacht werden muss. Die Dienstleistung des Schornsteinfegers bestehe darin, den Bescheid auszudrucken und auszufüllen. Der Kunde ist verpflichtet, diesen Bescheid dem künftigen Kollegen zukommen zu lassen, damit dieser umfassend informiert ist. Mit Leistungen wie Kehren und Messen könne der Kunde künftig jeden zugelassenen Betrieb beauftragen, sagt Hupfeld. Preise seien theoretisch frei verhandelbar.

Zugelassen sind Meisterbetriebe im Schornsteinfegerhandwerk, die bei der Handwerkskammer eingetragen sind. Nur die Feuerstättenschau alle dreieinhalb Jahre müsse der Bezirksschornsteinfeger selbst vornehmen. Dies sei eine hoheitliche Aufgabe. Anlass für die Aufhebung des Monopols ist die Dienstleistungsfreiheit in der EU. „Theoretisch kann man auch einen Schornsteinfeger aus einem anderen EU-Land beauftragen“, erklärt Hupfeld. Im Bereich der Kasseler Innung gibt es 170 Schornsteinfeger-Meisterbetriebe.

Jeder von ihnen beschäftigt einen Gesellen. Außerdem sind insgesamt rund 60 Auszubildende im Bereich der Innung beschäftigt. Rund 400 Menschen arbeiten in dem Innungsbezirk, der sich über die Landkreisgrenzen hinaus bis in die Kreise Werra-Meißner, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Hersfeld-Rotenburg erstreckt.

Von Christina Hein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.