Jungfernkopf: Samstag wird Verkehrsunterführung freigegeben

Feinschliff für die neue Straße: Am Samstag wird die neue Verkehrsunterführung unterhalb der Bahngleise freigegeben - vorerst allerdings nur einspurig. Die Bauarbeiten um den Bahndamm werden vermutlich bis zum Sommer komplett fertig sein. Foto: Herzog

Jungfernkopf. Die Stunden der Schranke am Bahnübergang Schenkebier Stanne sind gezählt. Um 11 Uhr am morgigen Samstag wird sie endgültig ausgedient haben. Dann kann der Verkehr erstmals die der neuen Unterführung benutzen, die künftig die Schranke ersetzt.

Die Bauzeit von knapp anderthalb Jahren muss den Jungfernköpfern wie im Zeitraffer vorgekommen sein. Seit mehr als 20 Jahren fordern sie die Abschaffung der seit den 50er-Jahren bestehenden Schranke, an der es immer wieder zu lebensgefährlichen Situationen kam. Mehrfach waren Autos oder Fußgänger zwischen die sich senkenden Schranken geraten, mehrfach stand die Schranke offen, obwohl ein Zug auf der Strecke vorbeirauschte (siehe Artikel unten).

Bahn ließ auf sich warten

Nachdem 1989 ein Bus in der Schranke steckengeblieben war, wurde eine Unterführung für 1991 angekündigt. Damals ahnte niemand, dass es noch 20 Jahre bis zum Baubeginn dauern sollte. Immer wieder wurde der Termin verschoben: 1994, 2000 - nichts passierte. Im Jahr 2002 fasste der Magistrat der Stadt seinen Beschluss für das Vorhaben; bis das Eisenbahnbundesamt nachzog, dauerte es weitere vier Jahre.

In der Zwischenzeit hatten sich - gehäuft in den 2004 und 2005 - weitere Zwischenfälle an der Schranke ereignet. In dem Stadtteil, der nur 3800 Bewohner hat, wurden 2000 Unterschriften gegen die Schranke gesammelt. Die HNA lud im Mai 2005 zu einem Lesertreff ein. Ende 2005 wurde dann endlich das Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht, kurz vor Weihnachten 2006 gab das Eisenbahn-Bundesamt endgültig grünes Licht für das Vorhaben. Damals hieß es, 2009 könnten die Bauarbeiten beginnen. Doch die Deutsche Bahn kam erneut nur mit Verzögerung in die Gänge.

Erst am 15. Juli 2011 war es soweit: Der Bau der Verkehrsunterführung etwa 100 Meter unterhalb des Bahnübergangs begann. Parallel dazu wurde auch eine neue Brücke für Fußgänger in Höhe des Kiefernwegs gebaut. Sie ersetzt den ebenfalls beschrankten Übergang an der Straße Am Wäldchen. Auch die neue Brücke wird am Samstag eröffnet. Das Bauprojekt hat insgesamt 5,3 Mio. Euro gekostet, die Bahn, Bund und Stadt tragen.

„Wir freuen uns, dass eine jahrzehntelange Diskussion damit beendet und der Gefahrenpunkt endlich beseitigt wird“, sagt Ortsvorsteher Dr. Manuel Eichler (SPD), der ungezählte Briefe, Faxe und Mails an die Deutsche Bahn geschrieben hat.

Eine neue Sorge gibt es allerdings im Stadtteil: dass der Wegfall der Schranke zu mehr Durchgangsverkehr am Jungfernkopf führen könnte. Außerdem gibt es bereits Eltern, die bemängeln, dass ihre Kinder auf dem Schulweg durch den um 100 Meter versetzten Querungspunkt jetzt einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Ortsvorsteher Eichler plädiert dafür, „das neue Bauwerk und die Verkehrsfragen erstmal in der Praxis zu erproben, um dann weiterzusehen.“

Von Katja Rudolph

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