250 Gewerbeanmeldungen seit 2010

Schrotthandel: Bulgaren sammeln sich in Kassel

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Polizei zieht einen Schrottlaster aus dem Verkehr: Wie hier in Kassel vor zwei Jahren.

Kassel. Kassels Schrotthandel ist fest in der Hand von Bulgaren: 256 Lizenzen zum Sammeln der begehrten Altmetalle hat die Stadt an Menschen mit bulgarischer Staatsangehörigkeit seit 2010 erteilt

Das sagte Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher der Stadt. Im Stadtteil Nord-Holland sind die vielen Sprinter und Klein-Lkw der Händler kaum noch zu übersehen.

Von den 300 im Bezirk des Regierungspräsidiums insgesamt gemeldeten Altwarenhändlern wird der größte Teil des Kasseler Schrotts und der Umgebung von Bulgaren eingesammelt. 148 Reisegewerbekarten vergab die Stadt in den vergangenen drei Jahren. Diese seien fast ausschließlich an die Bevölkerungsgruppe dieses Landes gegangen, sagte Happel-Emrich.

Mit dieser Karte können die Händler von Haus zu Haus fahren und anbieten, Wertstoffe mitzunehmen.

Hinzu kommt eine weitere Gruppe von Sammlern: 108 Bulgaren erhielten die Zulassung für ein „Stehendes Gewerbe“. Sie dürfen nur nach Terminvereinbarung mit dem Abfallerzeuger Material einsammeln, teilte der Stadtsprecher mit. Inzwischen habe es dort aber Abmeldungen gegeben.

Im Städtevergleich wird diese Zahl noch eindrucksvoller: In Darmstadt sind derzeit 29 Schrotthändler gemeldet. Keiner davon sei bulgarisch, sagte Eva Bredow-Cordier, Pressesprecherin der Stadt Darmstadt.

Ursache des Booms ist laut Happel-Emrich der hohe Metallpreis seit Mitte 2010: Zuerst sei „wild“ gesammelt worden. Die Stadt registrierte in der Folge die Fahrzeuge und forderte die Halter auf, ein Gewerbe anzumelden.

Gleichzeitig sei auf die Folgen von Verstößen aufmerksam gemacht worden. Die Zahl der Anmeldungen stieg. Über den anderen Grund hatten wir kürzlich berichtet: Seit dem EU-Beitritt Bulgariens im Jahr 2007 hat sich in Kassel die Zahl der Bulgaren verzehnfacht. 1330 Menschen dieser Herkunft leben in Kassel.

Von Max Holscher

160 Euro für edlen Schrott

Besonders in der Nordstadt leben viele der Bulgaren – auch Kriminalität gestiegen

In Kassels Stadtteil Nord-Holland haben die bulgarischen Schrottsammler ihre Sprinter und Klein-Lkw an vielen Ecken abgestellt. Alte Kabel, Bleche und Metallteile, die Kasseler Bürger vor die Tür stellen, bleiben hier nicht lange ohne neuen Besitzer.

Jeden Morgen schwärmten die Sammler aus Bulgarien aus, sagt ein Händler, der sich in der Szene auskennt. „Besonders begehrt sind Edelmetalle wie Messing, Kupfer, Blei und Zink“, sagt der Händler.

160 Euro pro Tonne gebe es dafür. Kontakt zu den bulgarischen Sammlern habe er nicht. Auch der eigene Versuch, in Nord-Holland mit bulgarischen Händlern ins Gespräch zu kommen, gelang nicht.

Mit dem Anstieg der Metallpreise im Jahr 2010 habe die Hochphase begonnen, sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Zudem hat sich die Anzahl der Bulgaren, die seit dem EU-Beitritt Bulgariens 2007 nach Kassel gezogen sind, verzehnfacht.

„Es ist mehr geworden, das sieht man deutlich“, sagt auch Sabine Knöll, Polizeisprecherin. In der Vergangenheit sei es vereinzelt zu Fällen gekommen, in denen auch Dinge mitgenommen wurden, die eigentlich nicht als Schrott ausgezeichnet worden waren. Es sei auch passiert, dass Elektroschrott auf der Ladefläche landete, den seit der Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes im Jahr 2012 in Kassel nur noch die Stadtreiniger mitnehmen dürfen.

Insgesamt sei die Zahl der bulgarischen Tatverdächtigen bei Straftaten gestiegen. Vor vier Jahren habe es 69 Tatverdächtige gegeben. Bis zum Jahr 2012 stieg die Zahl auf 180.

Ob diese etwas mit Schrotthandel zu tun hätten, könne man nicht sagen, teilte Knöll mit. Für eine Gewerbeanmeldung benötige man laut Polizeisprecherin einen in Deutschland gemeldeten Wohnsitz und ein hier zugelassenes Auto.

Gesetzlich gilt für Bürger aus Bulgarien bisher: Drei Monate kann sich jeder EU-Bürger in Deutschland aufhalten. Danach gibt es Einschränkungen und der Aufenthalt ist an einen Zweck gebunden. Bleiben können dann unter anderem Selbstständige.

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