Regelmäßige Kontrollen

Schrotträder blockieren Ständer: Stadt Kassel entsorgt jedes Jahr zig Fahrradleichen

Ein Schrottrad mit kaputtem Schlauch ist an einem Fahrradständer auf dem Königsplatz festgeschlossen.
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Fahrradleichen blockieren Abstellplätze: Links im Bild ein Schrottrad auf dem Königsplatz, rechts an der Elfbuchenstraße im Vorderen Westen.

Man sieht sie immer wieder an öffentlichen Fahrradständern: Platte, verrostete oder zerbeulte Fahrräder, die zwar festgeschlossen sind, aber offensichtlich nicht mehr genutzt werden. Wir haben nachgefragt, was damit passiert.

Kassel – Solche Schrotträder sind nicht nur ein unschöner Anblick. Sie blockieren auch zahlreiche Fahrradständer in der Stadt. Umso ärgerlicher in einer Zeit, in der immer mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs sind. An einigen Stellen - etwa am Bahnhof Wilhelmshöhe - sind sichere Abstellmöglichkeiten ohnehin rar.

Was passiert mit den zurückgelassenen Rädern, die offenbar selbst von Fahrraddieben links liegen gelassen werden? Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung kontrollieren nach Angaben der Stadt Kassel mehrmals jährlich stadtweit öffentliche Fahrradständer auf ungenutzte, defekte oder herrenlose Fahrräder. „Zunächst werden Fahrräder, die vermutlich länger im Fahrradständer stehen, abgeklebt“, teilt Stadtsprecher Michael Schwab mit. Das heißt, am Rad wird ein Aufkleber mit angebracht, der den Eigentümer dazu auffordert, das Fahrrad zu entfernen, und andernfalls die kostenpflichtige Beseitigung androht. „Dieser Schritt ist aus verwaltungsrechtlichen Gründen erforderlich“, sagt Schwab. Die sofortige Beseitigung eines Fahrrades aus dem öffentlichen Straßenraum sei in der Regel nicht möglich.

Vor der Sicherstellung eines Schrottrades werde versucht, den Eigentümer ausfindig zu machen. Dafür werde etwa in Zusammenarbeit mit der Polizei überprüft, ob die Rahmennummer registriert sei.

Wenn abgeklebte Fahrräder bei der Nachkontrolle immer noch dastehen, werden sie von der Stadt entfernt. Sprich: Die Mitarbeiter kommen mit dem Bolzen- oder Seitenschneider und knacken das Schloss. „Schrotträder werden direkt an eine Recyclingfirma gegeben“, teilt Rathaussprecher Schwab mit. Pro Jahr würden etwa 60 bis 80 Räder abgeklebt. Ein Drittel davon werde durch die Eigentümer dann abgeholt, der Rest werde aus dem Straßenraum entfernt.

Fahrradleichen sind nicht allein ein Kasseler Phänomen, sondern in vielen Städten ein Problem. In Hamburg etwa entfernt die dortige Stadtreinigung pro Jahr etwa 4000 Räder aus dem öffentlichen Raum. Allerdings landen in der Hansestadt nur die Exemplare beim Schrottverwerter, die nicht mehr zu retten sind. Für die Räder, die sich mit wenigen Handgriffen instandsetzen lassen, haben die Stadtreiniger eine eigene Fahrradwerkstatt. Die aufgearbeiteten Fahrräder werden dann in Gebrauchtkaufhäusern verkauft.

In München werden in einem neuen Projekt namens „Park & Bike“ seit Kurzen aufbereitete Schrotträder gegen eine Kaution verliehen, etwa an Pendler für die letzte Strecke bis zum Arbeitsplatz. Die Reparatur der Schrotträder übernehmen dort sozialpädagogisch betreute Jugendliche. (Katja Rudolph)

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