Kasseler Forscher entwickeln Diagnosesystem für Bordnetze der Wagen

Schub für Elektroautos

Stresstest für das Bordnetz: Auf dem selbst gebauten Prüfstand des Fachgebiets lassen sich die Belastungen der Elektrik im Fahrbetrieb eines Elektroautos simulieren. Hier baut der wissenschaftliche Mitarbeiter Giscard Jilwan einen Stromsensor ein. Foto: Dilling

Kassel. Die Konzerne arbeiten mit Hochdruck am Elektromobil. In Baunatal entwickelt VW einen Elektroantrieb. Damit sich die Elektroautos am Markt auch bewähren, müssen sie zuverlässig und leicht zu warten sein.

Dafür benötigen sie starke Bordnetze, um die Aggregate zu steuern. Werkstätten müssen schnell reagieren können, wenn der Antrieb streikt.

Auf seinem Laborprüfstand entwickelt dazu das Fachgebiet Fahrzeugsysteme und Grundlagen der Elektrotechnik Lösungen.

Die Zahl der elektrischen Komponenten steigt auch in Autos mit Verbrennungsmotoren seit Jahren. Beispielsweise ist die bisher hydraulisch gesteuerte Lenkung in vielen Fahrzeugen durch eine elektrisch betriebene ersetzt worden. „Elektrische Systeme sind einfach besser zu regeln, und sie haben oft einen höheren Wirkungsgrad“, sagt Professor Ludwig Brabetz, der Leiter des Fachgebiets.

Der Vorteil ist Geld wert: Während die Hydraulik ständig in Betrieb ist und vom Motor mit Energie versorgt wird, springen die elektrischen Aggregate nur dann an, wenn sie wirklich benötigt werden. Das hilft, den Spritverbrauch eines Autos zu senken.

Doch auch für den Energiehunger des künftigen Elektroautos wird entscheidend sein, ob es über ein ausgefeiltes Bordnetz verfügt. Denn dort werden dann alle Aggregate elektrisch betrieben. Sie saugen ihre Energie aus den Akkus des Fahrzeugs.

Wenn das Bordnetz aber zu viel Strom verbraucht, geht das auf Kosten des – momentan ohnehin noch beschränkten – Aktionsradius eines Elektroautos. Ein Kilowatt mehr Strombedarf im Netz könne bis zu sechs Prozent weniger Reichweite bedeuten, sagt Professor Brabetz.

Weniger Energie und Kosten

Deshalb arbeitet der Wissenschaftler mit seinem Team daran, das Zusammenspiel untereinander vernetzter Steuergeräte, Regler, Wandler und Sensoren zu optimieren. Mit einer intelligenten Regelung und einer ausgeklügelten Verzweigung der Kabel im Fahrzeug „lassen sich Energie und Kosten sparen“, erklärt der Forscher.

Seit einem Jahr entwickelt das Fachgebiet unter anderem mit dem VW-Konzern ein Diagnosesystem für elektrische Antriebsaggregate. Das soll Werkstätten helfen, frühzeitig festzustellen, ob dem Elektromotor etwas fehlt. Denn auch die Wartungsfreundlichkeit des Elektromobils sei entscheidend für den Erfolg am Markt, sagt Brabetz. (pdi)

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