Die Schulsprecher Lorena Neumann und Michael Fraj äußern sich im Interview

Lehrer-Debatte: „Schüler brauchen klare Regeln“

„Gemeinschaft ist wichtig“: Michael Fraj und Lorena Neumann, beide 15 Jahre alt, sind die Schulsprecher der Georg-August-Zinn-Schule. Foto: Hein

Kassel. Vor dem Hintergrund der Debatte um Ursula Sarrazin, die strenge Regeln in der Schule fordert, befragten wir die Schulsprecherin der Georg-August-Zinn-Schule, Lorena Neumann, und ihren Vertreter Michael Fraj, zum Verhältnis von Schülern und Lehrern.

Wer ist der bessere Lehrer, der strenge oder der lässige?

Lorena Neumann: Bei einem strengeren Lehrer lernt man unter Umständen besser. Bei lässigen macht es mehr Spaß.

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Michael Fraj: Schüler brauchen beides: klare Regeln, aber auch eine menschliche Beziehung zu ihren Lehrern. Das Lernen ist angenehmer, wenn der Lehrer mal Witze macht. Wir wollen ja was lernen.

Was ist eurer Meinung nach die Aufgabe von Lehrern und Schule?

Fraj: Es ist nun mal eine Tatsache: Die Erziehung von jungen Menschen findet vor allem in der Schule statt. Das ist eine große Verantwortung. Deshalb brauchen wir dort auch Menschen mit einer pädagogischen Ausbildung.

Ein Lehrer bringt seinen Schülern auch bei, wie man sich benimmt. Ich wünsche mir, dass sie uns Schülern zeigen, wie wichtig es ist, im Leben Ziele zu haben.

Das sind hohe Erwartungen.

Neumann: Ja, aber es ist wichtig, dass dem Lehrer der Schüler als Mensch nicht egal ist. Er sollte ihn in seiner Gesamtheit sehen, auch mit seinen Problemen, die er außerhalb der Schule hat.

Was ist für ein gutes Schulklima wichtig?

Neumann: Dass es eine gute Gemeinschaft gibt. In den Klassen zum Beispiel.

Fraj: Und zwar inklusive Lehrer. Deshalb sind außerschulische Aktivitäten wie Wandertage oder Studientage wichtig, damit man sich kennenlernt.

Vergleichen eure Eltern manchmal ihre Schulzeit mit eure r?

Fraj: Auf jeden Fall. Meine Eltern kommen aus der ehemaligen Sowjetunion und sagen immer, dass mein Schulalltag viel lockerer ist und sie in der Schule strenger erzogen wurden. Aber sie stellen das nur fest und sagen nicht, was sie besser finden.

Neumann: Bei mir ist es umgekehrt. Meine Mutter sagt, dass es in ihrer Schulzeit viel einfacher und entspannter zuging als heute bei mir.

Empfindet ihr die Situation von Schülern auch als stressig und den Erziehungsauftrag der Lehrer als anstrengend?

Fraj: Das ist so, aber das liegt an der Zeit. In den Schulen wird viel verlangt. Viele denken früh an ihre Zukunft und haben Ängste. Ich kenne G8-Schüler, die den Leistungsdruck nicht aushalten.

Neumann: Auf der anderen Seite trauen sich Jugendliche mehr und sind Erwachsenen gegenüber nicht mehr so kleinlaut, sind möglicherweise respektloser. Viele wollen sich gegenüber ihren Mitschülern beweisen und ziehen eine Show ab.

Wie kann man eine angespannte Situation in der Schule entkrampfen?

Fraj: Ich war mal an unserer Schule Streitschlichter. So was finde ich gut. Generell sollten die Lehrer mehr Verständnis für ihre Schüler zeigen, auch mal nachfragen, wenn ihnen etwas auffällt. Es kommt dann auf das Vertrauensverhältnis an, ob der Schüler über seine Probleme redet.

Von Christina Hein

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