Wunsch nach einem elektronischen Vertretungsplan: Lehrer für Datenschutz

Schüler für Infos im Netz

Kassel. An anderen Schulen in Hessen gibt es diese Praxis bereits: Ein Online-Vertretungsplan informiert die Schüler der Oberstufe per Internet kurzfristig darüber, ob Unterricht ausfällt. Jetzt kämpfen auch Kassels Schüler dafür, dass Oberstufen-Schulen einen solchen Online-Service einrichten, sagt Stadtschulsprecher Erik Tuchtfeld. Doch die Schulen reagieren zögerlich.

Vorreiter der Forderung ist das Goethe-Gymnasium, das auch Tuchtfeld besucht. Schüler und Lehrer der Schule an der Ysenburgstraße haben online darüber abgestimmt und fordern jetzt „nachdrücklich“ einen elektronischen Vertretungsplan sowie die Verbesserung der Aufenthaltsraumsituation ihrer Schule. Eine entsprechende Petition wurde der Schulleitung übergeben. „Wir haben versucht, in einer Woche 500 Unterschriften zu sammeln, am Ende haben 800 Schüler, Lehrer und Eltern unterschrieben“, sagt Sönke Huster, Goethe-Schüler im Politik-Leistungskurs, wo die Idee zur Petition entstanden war.

„Wir haben versucht, in einer Woche 500 Unterschriften zu sammeln, am Ende haben 800 Schüler, Lehrer und Eltern unterschrieben.“

Schüler Sönke Huster

Ein solcher Plan gehöre bei vielen Schulen bereits zum Standardrepertoire, sagt Huster. Der Vorteil liege auf der Hand: In einer Zeit, in der Schule immer mehr von den Schülern fordert, sei effektives Zeitmanagement obligatorisch. Die lästigen Schlangen vor dem Vertretungsplan würden sich auflockern, Schüler könnten die Pausen wieder für soziale Interaktion nutzen, statt sie mit Vertretungsplan-gucken zu verbringen, argumentieren die Schüler.

Mit einem Online-Vertretungsplan wäre es Schülern noch am Vorabend und sogar während des Schulwegs auf Grund moderner Kommunikationsgeräte mit Internetanschluss möglich zu überprüfen, ob Unterricht stattfindet.

Schulleiter Ludger Becklas, der die Petition in Empfang genommen hat, dämpft den Enthusiasmus: Viele Lehrer seien äußerst skeptisch und befürchteten Datenschutzprobleme. Im Goethe-Gymnasium müsse das Thema deshalb zunächst in der Gesamtkonferenz diskutiert werden. Die Schüler meinen dagegen, datenschutzrechtliche Bedenken könnten durch ein passwortgeschütztes System ausgeräumt werden.

Auch an der Albert-Schweitzer-Schule, wo Schüler ebenfalls einen Vertretungsplan im Internet fordern, gibt es Vorbehalte. Mittelfristig werde man darüber diskutieren, sagt Schulleiter Stefan Alsenz: „Wir verweigern uns nicht grundsätzlich.“ Technisch sei es leicht machbar, den internen elektronischen Vertretungsplan, der bereits in der Schule auf Monitoren aushängt, auch ins Internet zu stellen. Die Sorge sei aber, dass Außenstehende eine Auswertung der Daten betreiben könnten, ohne alle Informationen zu besitzen.

Erste Stunde garantiert

Wolfgang Hartwig, Schulleiter der Ahnatal-Schule in Vellmar, sagt: Wir würden als Erstes den Datenschutzbeauftragten ins Boot holen. Allerdings sei ein elektronischer Vertretungsplan für die Gesamtschule kein Thema. Für die erste Stunde gebe es ohnehin eine Unterrichtsgarantie.

Simon Aulepp, Vorsitzender des GEW-Kreisverbands Kassel-Stadt, fürchtet, dass das Kultusministerium Zugriff auf schulinterne Daten haben könnte. Deshalb sei die Skepsis einiger Lehrer nachvollziehbar. WEITERE ARTIKEL

Von Christina Hein

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