Der Verein „Science Bridge“ bietet gentechnische Experimente in Schulen an

Schüler überführen Täter

Wolfgang Nellen

Kassel. Rein in den Kittel und ab ins Labor: Eine Gruppe Schüler aus Kasseler Jugendzentren der Stadtteile Rothenditmold, Hasenhecke und Forstfeld hat jetzt mit Biologie-Studenten der Uni Kassel und Professor Nellen vom Verein „Science Bridge“ einen fiktiven Täter durch DNA-Spuren potenzieller Verdächtiger überführt.

In Kooperation mit der Kinder- und Jugendförderung des Jugendamtes Kassel öffnete der Bereich Genetik der Uni Kassel für die Gruppe seine Laborräume für den ersten außerschulischen Workshop dieser Art unter dem Titel „Fingerprint - voll krass!“

Für den Versuch wurden die DNA-Spuren des potenziellen Täters mit einer Pipette auf ein spezielles Gel aufgetragen. Bei dieser Methode werden ausschließlich kleine DNA-Abschnitte untersucht, die keine Informationen für Gene tragen wie die Haar- oder Augenfarbe.

Yasemin hat Spaß an der Arbeit. Sie greift gleich ein zweites Mal zur Pipette. „Man muss sehr viel Feingefühl dafür haben“, sagt die 18-jährige Schülerin. Die kleineren DNA-Teile wandern schneller durch das Gel als größere und bilden Striche, sogenannte Banden. Nach einiger Zeit kann man dann anhand der Höhe der Banden erkennen, ob die DNA eines Verdächtigen mit der Tatortspur übereinstimmt. „Aber das würde nicht reichen, um den Täter zu überführen“, stellt eine Schülerin fest. „Dafür müssten acht Merkmale untersucht werden, nicht nur eines.“

Doch wie kommt man an die eigene DNA heran? Das Rezept klingt einfach: Spucke in ein Glas, verschiedene Lösungen sorgen dann dafür, dass Zellwände und Zellkerne aufgelöst werden. Kochsalzlösung und Alkohol erledigen den Rest: Nach einiger Zeit setzt sich ein weißer Film an der Oberfläche ab – die eigene DNA wird sichtbar. „Ich hätte nie gedacht, dass das so viel Spaß macht“, sagt Celina Bouchelkia. „In der Schule haben wir oft nur Theorie und machen wenige Experimente.“

Normalerweise kommen die Wissenschaftler mit ihrem mobilen Labor in die Schulen. „Wir wollen den Schülern damit die Möglichkeit zum experimentellen Arbeiten im Unterricht geben, da dies oft nicht mehr stattfindet“, sagt Wolfgang Nellen. „Ich finde es zudem wichtig, den Menschen die Angst vor Gentechnik zu nehmen“, sagt die Biologie-Studentin Pia Theißen.

Von Miriam Linke

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