Gericht verurteilt 26-Jährigen wegen versuchten Totschlags zu sieben Jahren Haft

Schüsse auf dem Parkplatz

Kassel. „Dieses Verfahren zeigt, was passieren kann, wenn man mit Waffen ausgerüstet einkaufen geht“, sagte Richter Volker Mütze am Freitag, als er das Urteil gegen den 26-jährigen Angeklagten verkündete, der mit einer Pistole einen anderen Mann verletzt hatte.

Die 6. Strafkammer verurteilte ihn wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und acht Monaten.

Er war - mit einer Pistole ausstaffiert - im Juni vergangenen Jahres im Penny-Markt in der Nordstadt einkaufen gewesen. Dort traf er einen 27-Jährigen und dessen 31-jährigen Bruder. Während der 31-Jährige mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn einkaufte, wartete sein Bruder draußen im Auto. Als der Angeklagte den Wagen erblickte, feuerte er - davon jedenfalls war am Ende das Gericht überzeugt - einen Schuss aus seiner Pistole ab. Der Fahrer raste auf den Schützen zu, der wurde gestreift und stürzte zu Boden. Das Auto landete an einer Mauer. Der Angeklagte gab nicht auf, schoss aus einem Abstand von wenigen Metern auf den Mann im Auto und verletzte ihn leicht am Oberschenkel.

Er hatte vor Gericht angegeben, aus Notwehr geschossen zu haben, als das Auto auf ihn zuraste. Eine Untersuchung der Einschussstellen ergab jedoch, dass er den ersten Schuss aus großer Entfernung abgegeben haben muss. Weshalb er an jenem Tag just zu dem Zeitpunkt in dem Supermarkt war, zu dem auch der später verletzte Mann und dessen Bruder dort einkauften, ließ sich nicht feststellen. Fest stand für das Gericht am Ende, dass sich der Angeklagte wegen eines Vorfalls wenige Tage zuvor in seiner Ehre verletzt gefühlt hatte. Da hatte es eine Auseinandersetzung in der Diskothek A 7 gegeben. Der 31-Jährige arbeitet dort als Türsteher. Als er mitbekam, wie der Angeklagte eine Besucherin belästigte, versetzte er ihm einen Schlag.

Nach den Schüssen auf dem Parkplatz vor dem Penny-Markt verfolgten die beiden Brüder den fliehenden Angeklagten, nach wenigen Metern stellten sie ihn und schlugen auf ihn ein. Auch sie waren bewaffnet, unter anderem mit einem Schlagstock und einem Beil. Damit verletzten sie den Angeklagten so schwer, dass gegen sie ein Verfahren wegen Körperverletzung eingeleitet wurde, das am Amtsgericht anhängig ist.

Der Angeklagte hatte angegeben, er habe einen Blackout gehabt und sei zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig gewesen. Das Gericht sah es jedoch, nachdem es einen Sachverständigen zur Frage eines möglichen Alkohol- und Drogeneinflusses gehört hatte, anders: Richter Mütze hielt den 26-Jährigen für „voll schuldfähig“. Es habe lediglich eine „gewisse Enthemmung“ durch Kokain gegeben. Mütze stelle bei dem jungen Mann, der nicht zum ersten Mal vor Gericht stand, ein erhebliches Aggressions- und Gewaltpotenzial fest. Mehrere Jugendstrafen wegen Körperverletzung, Raub und Drogengeschäften hätten ihn nicht davon abgehalten, erneut gewalttätig zu werden. (pas)

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