Reineck zieht sich nach 87 Jahren aus Kirchditmold zurück - weiter in Wilhelmshöhe

Nach 87 Jahren: Schuhhaus Reineck wandert ab

Glanzzeiten in Kirchditmold: Auf diesem Foto von 1950 präsentieren Helga Hampe und ihr Vater Fritz Reineck ihre Schuhe bei der Leistungsschau in Kirchditmold. Fotos: Ludwig, privat

Kassel. Der Schuh drückt sie schon länger: Weil die Laufkundschaft auf der Zentgrafenstraße nachlasse, ziehe sich das 1925 in Kirchditmold gegründete Schuhhaus Reineck Ende November aus dem Stadtteil zurück, sagt Inhaberin Patricia Hoppe.

Sie beschränke sich zukünftig auf ihre Filiale in Wilhelmshöhe. Der Schritt sei ihr nicht leicht gefallen, weil damit der Ortskern von Kirchditmold wieder um ein Geschäft ärmer werde.

Der Glowesabend im vergangenen Jahr wurde für die 49-jährige Geschäftsinhaberin zu einem Schlüsselerlebnis: In früheren Jahren seien am Nikolaustag etwa 200 verkleidete Kinder in das traditionsreiche Schuhgeschäft gekommen, um mit Sprüchen um Süßigkeiten zu bitten. „2011 waren es noch etwa 25 Kinder“, sagt Hoppe. Ein Indiz für die Geschäftsfrau, dass der vor 15 Jahren noch gut frequentierte Ortskern an Anziehungskraft verloren habe.

Als Hoppes Großvater Fritz Reineck vor 87 Jahren das Schuhhaus an der Zentgrafenstraße eröffnete, gab es noch keine Konkurrenz durch Filialisten. In Kirchditmold war das geschäftliche Treiben noch so vielfältig, dass es sogar eine Leistungsschau des Stadtteils gab, bei dem sich die örtlichen Händler präsentierten (Foto).

Dreimal zog das Schuhgeschäft, das Fritz Reineck später an seine Tochter Helga Hampe übergab, um. Es blieb aber immer an der Zentgrafenstraße. 1996 übernahm Hampes Tochter, Patricia Hoppe, die Geschäftsführung. Als diese den Kundenrückgang spürte, schaffte sie mit der Filiale an der Wilhelmshöher Allee 192 ein zweites Standbein, auf dem sie und sechs Teilzeitkräfte inzwischen alleine stehen können. In Wilhelmshöhe sei ein inhabergeführtes Fachgeschäft wie ihres gut aufgehoben.

Hoppe macht eine falsche Verkehrspolitik für ein schleichendes Aussterben des Kirchditmolder Ortskerns verantwortlich. Ein Auslöser dafür sei der Bau der Haltestelle Teichstraße gewesen, die den Ortskern gespalten habe. Der lange Umbau der Loßbergstraße und der angekündigte Umbau der Haltestelle „Kirche Kirchditmold“ böten den Geschäftsinhabern keine gute Perspektive.

Bis Ende November verkauft Hoppe in der Kirchditmolder Filiale, Zentgrafenstraße 152, viele Schuhe zu reduzierten Preisen.

Von Bastian Ludwig

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