Schulleitung erläutert ihren Standpunkt

Schul-Essen in Kasseler Vereinsheim: Laut Rektorin überwiegen die Nachteile

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Schulgemeinde will keine Kooperation mit Vereinsgaststätte: Das Clubheim des VfL Kassel (links im Bild) liegt nur wenige Schritte vom Gelände der Grundschule Kirchditmold entfernt.

Kirchditmold. In der Debatte um Schul-Mittagessen in einem Vereinsheim hat sich jetzt die Leitung der Grundschule Kirchditmold zu Wort gemeldet.

Im Gespräch mit der HNA machte Schulleiterin Jutta Reitze-Löber geltend: Der Vorschlag der Stadt, dass die Kinder vorübergehend das benachbarte VfL-Vereinsheim als Mensa nutzen sollen, sei in drei Sitzungen der Schulgremien von Lehrerschaft, Elternbeirat und Schulkonferenz jeweils einhellig abgelehnt worden. An dieses klare Votum sehe sie sich gebunden.

Jutta Reitze-Löber

Es gehe dabei nicht allein um den Ort des Mittagessens, sondern um das „Gesamtpaket“, argumentierten Reitze-Löber und Konrektorin Anne Koell. Denn wenn sich die Schule entschlösse, zum kommenden Sommer mit der Ganztagsbetreuung zu starten, müsse sie dies unter heute schon viel zu knappen Raumbedingungen organisieren. Von der Stadt Kassel sei aber keine verbindliche Zusage zu erhalten, wie lange ein solches Essens-Provisorium andauern könne und wann genau mit einem Mensa-Nebau samt etwa fünf, sechs zusätzlichen Betreuungsräumen zu rechnen sei.

Dem gegenüber sei die zu erwartende Verbesserung aus Sicht der Schulgemeinde gering: Schon heute bekomme die Hälfte der 250 Grundschüler ein Mittagessen im Rahmen der Hortbetreuung, die von einem Verein getragen wird. Mit der provisorischen Mensa-Lösung, so Schulleiterin Reitze-Löber, könnten etwa 20 Kinder mehr verköstigt werden. Dem stehe ein hoher organisatorischer Aufwand für die Ganztagsschule entgegen, der mit einer weiteren Einschränkung des Raumangebots einhergehen würde.

„Es ist ja freiwillig, ob wir so ein Angebot der Stadt annehmen. Und es ist unser gutes Recht, darüber nachzudenken und abzustimmen“, sagte die Schulleiterin. Sie betonte zugleich, die Grundschule sei „weiter daran interessiert, am Pakt für den Nachmittag teilzunehmen“. Das ist ein Landesprogramm, bei dem es für Nachmittagsbetreuung mehr Lehrerstellen gibt. Wenn sich der Einstieg der Grundschule Kirchditmold durch die aktuellen Abstimmungen verzögere, sei dies in Kauf zu nehmen.

Zum Thema Mittagessen im VfL-Clubhaus sagte Reitze-Löber, sie sei „nach wie vor der Ansicht, dass das keine geeignete Umgebung für unsere Kinder ist“. Sie verwies erneut auf Alkoholflaschen und Zigarettenautomaten im Gastraum, die Toiletten seien nicht kindergerecht. „Und die Erwachsenen wollen die Räume ja auch abends nutzen und dort nicht auf Kinderstühlen sitzen“, sagte sie. 

Als Partner für schulsportliche Aktivitäten wolle man gern mit dem VfL Kassel kooperieren. Aber nicht beim Schulessen.

Kommentar: Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht

Hintergrund: Stadt schlug Übergangslösung vor

Um der Grundschule Kirchditmold einen schnellen Start in den Ganztagsbetrieb zu ermöglichen, hatten Schulverwaltung und Jugendamt der Stadt Kassel vorgeschlagen, dass die Kinder übergangsweise im nahen Vereinslokal des VfL Kassel ihr Mittagessen einnehmen könnten. Vertreter der Behörden hatten sich die Räume angesehen und – mit einigen Anpassungen, etwa einer kindgerechten Bestuhlung – für geeignet befunden. 

Das Essen sollte angeliefert und von den Wirtsleuten des Vereinslokals serviert werden. Für die Sportler und anderes Publikum ist das Clubheim erst abends ab 18 Uhr geöffnet. 

Bis auf dem Schulgelände eine eigene Mensa gebaut ist, kann es nach Angaben der Schulverwaltung drei bis vier Jahre dauern. Die Investition von etwa 4 Millionen Euro würde auch einige zusätzliche Räume für Ganztags-Aktivitäten umfassen. Voraussetzung, dass die Stadtpolitik das Vorhaben auf den Weg bringt, wäre ein Bekenntnis der Schule zu der vorgeschlagenen Übergangslösung.

Wenn der Ganztagsbetrieb im Sommer 2018 gestartet wäre, hätte die Schule zweieinhalb Lehrerstellen mehr bekommen.

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